Gute Beispiele, hochkarätige Referenten und neue Netzwerke

Infoveranstaltung „Für die Wirtschaft“ zog gut 50 Teilnehmer in das Neuenburger Rathaus
Weder der möglicherweise heißeste Sommertag des Jahres noch das Fußballspiel Deutschland gegen Chile konnten die rund 50 interessierten Gäste davon abhalten, am Donnerstag, dem 22. Juni die Veranstaltung „Für die Wirtschaft“ der Projektgruppe „Gemeinsam in Vielfalt – Lokale Bündnisse für die Flüchtlingshilfe“ in Neuenburg zu besuchen. Und es lohnte sich in der Tat dabei zu sein.

„Es tut außergewöhnlich gut“ so Bürgermeister Joachim Schuster in seiner Begrüßung, „dass so viele Menschen auf den verschiedensten Ebenen sich mit der Integration der Geflüchteten in der Stadt Neuenburg am Rhein beschäftigen“. Die Willkommenskultur in der Stadt spricht für sich. Neben den Anstrengungen der Städte und Kommunen sind es vor allem die Ehrenamtlichen, die bei der Aufnahme Großes geleistet haben und immer noch leisten. Viele der Tätigkeiten laufen dabei in Neuenburg eher im Stillen ab.
Nachdem die Aufnahme der Geflüchteten – Formalitäten, Wohnungssuche, Versorgung – nun in gute Bahnen gelenkt wurde, steht als nächster Schritt die Integration im Vordergrund der Bemühungen. Zum Zweck der beruflichen Integration wurde von der Projektgruppe „Gemeinsam in Vielfalt“ die Veranstaltung „Für die Wirtschaft“ organisiert, die bei Unternehmen durch Informationen hochkarätiger Referenten Berührungsängste abbauen, Kontaktpersonen und -institutionen vorstellen, nachhaltige Netzwerke aufbauen und Lust auf die Beschäftigung von Geflüchteten machen sollte.
Elvira Riesterer, seit Februar 2017 Teamleiterin für Soziales in der Stadtverwaltung Neuenburg, moderierte das interessante Programm, das sie als „Highlight“ des Projekts „Gemeinsam in Vielfalt“ für 2017 bezeichnete. Es startete mit Good Practice Interviews organisiert und durchgeführt durch Dr. Andrea Kühne. Neben der Norbert Schaub GmbH mit Marika Essig konnte der Schlosserei- und Schweißfachbetrieb Spindler mit dem Inhaber Klemens Worszeck gewonnen werden. Gemeinsam mit den Auszubildenden Musa Nijie und Mohamad Zakzak aus Gambia bzw. Syrien berichteten sie über ihre Erfahrungen während der vor einem Jahr begonnenen Ausbildung. Die rundum positiven Schilderungen stießen auf reges Interesse bei den Zuhörern und sorgten für spontanen Beifall, als es um die vielfältigen Leistungen und das Engagement der beiden Geflüchteten, die erst zwei Jahre in Deutschland sind, ging.
Die darauf folgenden Fach- und Impulsvorträge von Ulrich Schneider (Caritas), Ibrahim Sarialtin (IHK), Götz von Roell (Handwerkskammer) und Sandra Megahed (Integrationslotsen) boten umfangreiche Informationen über den rechtlichen Rahmen von Ausbildung und Beschäftigung von Geflüchteten, stellten das so genannte „Kümmererprojekt“ von IHK und Handwerkskammer Freiburg sowie die passgenaue Vermittlung von Geflüchteten vorwiegend in die Metall- und Elektroindustrie durch die Integrationslotsen vor. Vor allem machten Sie die Referenten und ihre Institutionen, die hinter ihnen stehen, als Netzwerkpartner und Kontaktpersonen greif- und erreichbar. Zukünftig wird es zu einem engen Austausch zwischen der Stadtverwaltung, der Projektgruppe „Gemeinsam in Vielfalt“ und Caritas, IHK, Handwerkskammer sowie Integrationslotsen kommen.
Mit einem Dank an die Projektgruppe beendete Bürgermeister Schuster die abwechslungsreiche Informationsveranstaltung. Die Stadt Neuenburg am Rhein stehe mit der hauptamtlichen Betreuung der Geflüchteten sehr gut da. Die Stadt hat aufgelegte Förderprogramme genutzt, um professionell und qualitativ hochwertig arbeiten zu können. Neben der erfahrenen Verwaltungsfachfrau Elvira Riesterer und dem Caritas Flüchtlingssozialdienst mit Renate Weigend und Norbert Baum ist nun mit Dr. Andrea Kühne auch die freie Stelle des Flüchtlingskoordinators besetzt worden. Gemeinsam wird das Team die vielfältigen Aufgaben in Richtung Integration angehen. Ein Dank ging an Rainer Erhardt, der im Sommer in den wohlverdienten Ruhestand geht und dessen Aufgaben Jasmin Hercher übernehmen wird. Joachim Schuster ist zuversichtlich, dass die Integration gelingen wird und die Geflüchteten zu einer Bereicherung für Neuenburg am Rhein und für Deutschland insgesamt werden.
In der Pause und am Ende der Veranstaltung bot sich bei einem Buffet die Gelegenheit zu Gespräch und Austausch. Eine Weiterführung des Themas ist im Arbeitskreis Wirtschaft & Schulen im Herbst geplant. Kontakt zum Projekt: Elvira Riesterer, Tel.: 07631/791 - 113, E-Mail: elvira.riesterer@neuenburg.de. Unter dieser E-Mail-Adresse können auch die Power-Point-Präsentationen der Referenten angefragt werden.

„Gemeinsam in Vielfalt“ – Lokale Bündnisse für Flüchtlinge
„Gemeinsam in Vielfalt“ ist ein 2015 aufgelegtes Förderprogramm des baden-württembergischen Sozialministeriums zur Unterstützung von zivilgesellschaftlichem Engagement. Die Stadt Neuenburg am Rhein bewarb sich und konnte 2016 und 2017 mit einer Förderung von 13.000 bzw. 15.000 EUR punkten. Am 9. Mai 2016, also fast genau vor einem Jahr, startete das Projekt mit einem Initialtreffen unter hoher Bürgerbeteiligung. Im Juni 2016 fand ein Workshop statt, bei dem vier Arbeitskreis-Schwerpunkte für das weitere Vorgehen definiert wurden: „Unterstützung für ehrenamtliches Engagement“, „Begegnungsraum erleichtert Ankommen“, „Vereine schaffen Verbindung“ und „Arbeit bietet Perspektive“, aus letzterem resultierte die Informationsveranstaltung „Für die Wirtschaft“. Die Ergebnisse aus dem Jahr 2016 sind in der Broschüre „Gemeinsam in Vielfalt Projektbericht 2016“ zusammengefasst, die im Bürgerbüro ausliegt.

Projektgruppe „Gemeinsam in Vielfalt“: Elvira Riesterer, Rainer Erhard, Renate Weigend, Norbert Baum, Dr. Andrea Kühne, August Walz, Sabine Brendlin