Der Arbeitskreis Wirtschaft & Schulen in Neuenburg tagte bei K&U

Ein bunter Themenstrauß - Mit einem Rückblick und einer sehr positiven Bilanz begrüßte Bürgermeister Joachim Schuster die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Arbeitskreises Wirtschaft & Schulen, die sich beim 20. Treffen dieses Gremiums am 9. November in der Zentrale der Bäckerei K&U in Neuenburg am Rhein trafen. Er erinnerte daran, wie unkompliziert es war, die K&U, die einen neuen Standort suchte und die Stadt Neuenburg am Rhein, die Gewerbeflächen zur Verfügung stellen konnte, zusammenzubringen. „Es ist toll, so einen innovativen Betrieb für die Stadt gewonnen zu haben“, sagte er.

Mit einer umfangreichen Agenda wurde dann bei Butterbrezeln und belegten Brötchen in einen interessanten Vormittag gestartet, dessen bunter Themenstrauß von der Firmenpräsentation der Bäckerei K&U über Aktuelles zum Wirtschaftsstandort Neuenburg, grenzüberschreitende Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung, dem Arbeitsmarkt bis hin zur Vorstellung der Rheinschule als zertifizierte offene Ganztagsschule reichte.

K&U - der größte deutsche Filialbäcker
K&U-Geschäftsführer Peter Ganghof begrüßte als Gastgeber die Runde und stellte das Unternehmen vor, das als 100-prozentige Tochter der Edeka Offenburg/Südwest insgesamt 800 Filialen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen sowie im Saarland hat und mit einem Umsatz von 304 Millionen EUR Deutschlands größter Filialbäcker ist. Aus fünf Familienbetrieben in Freiburg, im Bodenseeraum, Reutlingen, Mannheim sowie in Bexbach zusammengewachsen, legt das Unternehmen größten Wert darauf, die jeweilige regionale Backkultur zu erhalten. Eine logistische Meisterleistung. Vieles wird bei K&U noch per Hand gefertigt. „Tradition und Innovation zeichnen das Unternehmen aus. „Wir werden immer ein Handwerksbetrieb bleiben und möchten jedem Kunden das geben, was er nachfragt“, so der Geschäftsführer. Über 500 Mitarbeiter sorgen dafür, dass gegen 3 Uhr in der Früh die LKWs mit frischen Backwaren in Richtung Filialen unterwegs sind. Von der starken Verankerung in der Region, der Bodenständigkeit, Nachhaltigkeit und Weitsicht des Unternehmens konnten sich die Besucher dann in einem Imagefilm selbst überzeugen.
 
Entwicklungen in der Stadt Neuenburg am Rhein
Als Wirtschaftsstandort durchläuft Neuenburg am Rhein eine dynamische Entwicklung, wie Teamleiter Martin Bächler erläuterte. Die Einwohnerzahlen sind weiter gewachsen, auf derzeit 12.742 Personen. Wichtig für die Entwicklung der Stadt ist die Aufstufung vom Klein- zum Unterzentrum im September 2017. Zahlreiche bauliche Maßnahmen wie die Erweiterung des Betreuungsangebotes durch einen Städtischen Naturkindergarten und das Wohn- und Geschäftshaus mit Ansiedlung von Einzelhandel, Arztpraxen und Dienstleistungsbetrieben in der Schlüsselstraße stehen auf dem Programm. Weitere Projekte sind das schnelle Internet das Integrierte Grünkonzept - zunächst am Stadtzugang Süd - die Innenstadtoffensive und der unter Bürgerbeteiligung durchgeführte Fußverkehrscheck, der 2017 angelaufen ist. Bestandswahrende Maßnahmen, wie die Erneuerung der Sanitäranlagen in der Sporthalle I, und die Pflastersanierung in der Salzstraße sind abgeschlossen. Für das Jahr 2019 ist der Neubau von drei Kreisverkehrsanlagen auf der B378 zur Entlastung der Autobahnabfahrten vorgesehen. Bürgermeister Schuster wies darauf hin, dass viele bauliche Maßnahmen für die Landesgartenschau und aus dem Landessanierungsprogramm konzentriert in den Jahren 2019 bis 2021 durchgeführt werden. „Wer es sich leisten kann“, so der Bürgermeister, „sollte dann eine Sabbatzeit einlegen“.

Grenzüberschreitende Wirtschaftsförderung in Deutschland und Frankreich
Irene Ulrich von der Wirtschaftsförderung Region Freiburg (WRF) warb in ihrem Vortrag für ein gemeinsames Standortmarketing der Region, eine Zusammenarbeit über Gemarkungsgebiete hinweg. Die Region bietet mit ihren vielen Standortvorteilen in der Mitte Europas und als Nahtstelle zu Frankreich und der Schweiz mit starken Branchen wie der Gesundheitswirtschaft, dem Groß- und Einzelhandel und dem Maschinenbau große Entwicklungsmöglichkeiten. 57 Prozent der Betriebe bewerten ihre derzeitige Geschäftslage als gut. Viele neue Stellen wurden geschaffen.
Ein Engpass der Entwicklung allerdings ist der Mangel an Fachkräften, besonders im technischen Bereich sowie in den Gesundheits- bzw. Pflegeberufen. Seit 2014 unterstützt hier das Welcome Center in der Arbeitsagentur in Freiburg. Auch das Netzwerk „Vielfalt im Betrieb“ bietet Unternehmen an, sich bei Erfahrungen und Lösungen zum Thema Vielfältigkeit in der Personalsuche auszutauschen. Ein weiteres Hemmnis ist die noch nicht lückenlos vorhandene Breitband Versorgung, die besonders wichtig ist, um mithalten zu können. Hier dürfen Betriebe, aber auch die Verwaltungen nicht die Augen verschließen.
Die Projektmanagerin Laurence Beckert aus Mulhouse stellte das Kooperationsnetzwerk ADIRA (Agence de développement d´Alsace) als Pendant zur Wirtschaftsförderung Region Freiburg im Elsass vor. Ein Team von 30 Personen arbeitet mit dem Angebot von trinationalen Betriebsführungen und einer jährlich stattfindenden Konferenz an der Stärkung der grenzüberschreitenden Wirtschaft im Dreiländereck.

Der Arbeitsmarkt in der Region – eine Übersicht
Über eine sehr positive Arbeitsmarktsituation berichtete Martina Schimkat von der Agentur für Arbeit. Die Arbeitslosenquote in der Region liegt bei 3,5 Prozent, in Neuenburg/Müllheim bei 3,1 Prozent. Es wurden 2,1 Prozent mehr Lehrstellen als im Vorjahr angeboten. Noch nie blieben aber so viele Lehrstellen offen, da Jugendliche oft eine höhere Schulbildung oder ein Studium anstreben. Diese Situation bietet Chancen für Schwächere und Benachteiligte auf dem Markt, deren Einstellung die Agentur für Arbeit mit zahlreichen Maßnahmen, wie beispielsweise Einstiegsqualifizierungen unterstützen kann.

Die Rheinschule – Zertifizierte Ganztagsschule
Die Schulleiterin der Rheinschule, Michaela Münch, stellte die offene Ganztagesschule Rheinschule vor, eine der ersten Grundschulen in Deutschland mit Zertifizierung. Nach dem Motto „Miteinander lernen und Vielfalt leben“ vereinigt die Schule Regelklassen, Ganztagesklassen, eine Vorbereitungsklasse für Kinder ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen und eine Vorschulklasse (Eulenklasse). Mit motivierten Lehrkräften und einem erfahrenen Betreuungsteam wird eine Zeit von 7 Uhr bis 16.30 Uhr abgedeckt, so dass Eltern in der Lage sind Vollzeit zu arbeiten. Etwa die Hälfte der 400 Grundschulkinder im Schulgebäude in Neuenburg am Rhein, in der Außenstelle Neuenburg am Rhein - Nähe Friedhof und in den Schulen in Steinenstadt, Zienken und Grißheim nehmen das verlängerte Angebot der Schule an - 146 Kinder in der Ganztagsschule und 60 bis 80 Kinder bis 14.15 Uhr. Neben Unterricht und Lernzeiten gibt es auch ein kreatives Nachmittagsangebot, das von Trommelgruppen über eine Streicherklasse bis zu Nähkursen, Englischunterricht und Schach bzw. Lego reicht. Was sich Michaele Münch noch wünscht: „ Einen Ruheraum, ein Sozialcurriculum und toll wäre auch eine Kooperation mit der Wirtschaft in Neuenburg am Rhein“.

Bürgermeister Schuster bedankte sich in seinem Schlusswort bei den Referenten für die fachkundigen Informationen und bei Peter Ganghof für die Gastfreundschaft. Zukunftsthemen sind die Landesgartenschau, die Digitalisierung auch der öffentlichen Hand, für die die Stadt Neuenburg am Rhein 100.000 EUR in den Haushalt aufgenommen hat und die Neuaufstellung der deutsch-französischen Zusammenarbeit nach der Gebietsreform in Frankreich. Viele spannende Aufgaben, auch für den nächsten Arbeitskreis Wirtschaft & Schulen, der voraussichtlich im Frühjahr 2018 stattfinden wird.