Der Arbeitskreis Wirtschaft & Schulen in Neuenburg am Rhein tagte im Bildungshaus

Von Innovation bis Inklusion
In angemessenen Räumlichkeiten im Bildungshaus Bonifacius Amerbach der Stadt Neuenburg am Rhein begrüßte Bürgermeister Joachim Schuster am 25. April den Arbeitskreis Wirtschaft & Schulen zum diesjährigen Frühjahrstreffen. Neben Vertretern der örtlichen Wirtschaft, verschiedener Schulen aus Neuenburg am Rhein und Müllheim und Mitarbeitern von Jobcenter und Agentur für Arbeit hatten sich Dr. Fabian Burggraf (innoEFF), Christopher Beußel (Telekom) und die Inklusionsbeauftragte der Stadt, Esther Hagenow, bereit erklärt, über ihre Arbeit zu berichten.

Referenten v.l.n.r.: Bürgermeister Joachim Schuster, Frank Reipka, Frank Kreutner, Armin Ernst, Esther Hagenow, Svjetlan Magazinovic, Martin Bächler und Christopher Beußel, nicht auf dem Bild: Dr. Fabian Burggraf

Dabei reichte der Themenstrauß von Energieeffizienz und vernetzter Industrie über den Breitbandausbau in der Stadt bis hin zur gelingenden Inklusion in Arbeitswelt und Schule.

Entwicklungen in der Stadt Neuenburg am Rhein
In den informativen Vormittag startete Teamleiter Martin Bächler mit einer Übersicht über den Wirtschaftsstandort Neuenburg am Rhein, der nach wie vor eine dynamische Entwicklung durchläuft. So haben die Gewerbeanmeldungen die -abmeldungen übertroffen, das Handwerkerviertel im Bereich Robert-Koch-Straße entwickelt sich gut und neue Firmen wie die Bubendorff GmbH und die Hekatron GmbH haben sich im Neuenburger Gewerbegebiet angesiedelt.
Auch baulich hat sich in den letzten sechs Monaten einiges getan. Der Naturkindergarten mit 20 Plätzen hat seinen Betrieb aufgenommen. Die große Baulücke Müllheimer Straße/Pommernstraße wird mit drei Mehrfamilienhäusern (Eigentumswohnungen) geschlossen und bei der Innenstadtoffensive liegt das Konzept der imakomm Akademie vor, dass u.a. in Zusammenarbeit mit dem Gewerbe- und Verkehrsverein erarbeitet wurde. Beim Bauvorhaben Schlüsselstraße bleiben Teile der archäologischen Funde in einem „Schaufenster“ in der Tiefgarage weiterhin zu sehen. Alle baulichen Maßnahmen der Stadt werden zukünftig durch ein Maskottchen, den R(h)einer, visualisiert, der überall zu finden ist, wo die Stadt Neuenburg am Rhein tätig ist.

Energieeffizienz – Leuchtturmprojekt „Vernetzte Industrie“
Dr. Fabian Burggraf, Manager beim Innovations- und Effizienzcluster (innoEFF), dessen Träger der gemeinnützigen Verein „Klimapartner Oberrhein“ mit 120 namhaften Mitgliedern ist, stellte einige Aktivitäten des Clusters vor. Ziel von innoEFF ist es, in der Region durch Vernetzung von Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen ein fruchtbares Umfeld für Innovationen im Bereich Klimaschutz- und Effizienztechnologien zu schaffen und vor allem die Energieeffizienz von Industrie und Gewerbe zu fördern und zu steigern. Für die weitere Tätigkeit werden Partner gesucht, die sich nach einer kostenlosen Potentialanalyse an Projekten beteiligt und eine Förderung in Höhe von bis zu 60 Prozent bei der Umsetzung von Maßnahmen erhalten können. Im Leuchtturmprojekt „Vernetzte Industrie“ werden beispielsweise zwölf Millionen EUR aus EU-Fördermitteln in der Region ausgeschüttet. Seit einem halben Jahr ist innoEFF auch grenzüberschreitend in Frankreich tätig.

Breitbandausbau in Neuenburg am Rhein - Telekom
Der Telekom Regio Manager, Christopher Beußel, berichtete von zahlreichen Baumaßnahmen des Unternehmens in Neuenburg am Rhein, um den Breitbandausbau und die Digitalisierung voranzutreiben und den Datenverkehr zu beschleunigen. Die Telekom möchte sich in der Stadt weiter engagieren und freut sich auf zukünftige Zusammenarbeiten. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, sagte Christoph Beußel und sicherte zu, dass Neuenburg am Rhein für die digitale Zukunft gerüstet ist. Die Verrohrung ist komplett und das Glasfasernetz bis vor das Industriegebiet verlegt. Hier können die Unternehmen auf die Telekom zugehen, um gemeinsam nach individuellen Lösungen zu suchen. Wenn die Infrastruktur in den Unternehmen stimme, so der Telekom Manager, dauere die Umsetzung deutlich weniger als sechs Monate. Probleme mache noch die Long Term Evolution (LTE) Technik, die auf gleichen Frequenzen liegt, wie das französische Militär. Aber auch hier wird nach Lösungen gesucht.

Inklusion in Arbeitswelt & Schule
Seit Herbst 2016 gibt es in Neuenburg am Rhein eine Inklusionsbeauftragte, die Sozialpädagogin Esther Hagenow. Sie kümmert sich um die Belange von körperlich und geistig behinderten Menschen in der Stadt. Inklusion kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten, also die Lebensumwelt und die Betroffenen selbst mitarbeiten, so ihre Aussage. Es ist bereits gesellschaftlich viel passiert und die historischen Schritte von Exklusion über Integration hin zur Inklusion vollzogen. Die Umsetzung stellt aber hohe Anforderungen an alle Beteiligten. Die Grundlage ihrer Arbeit ist das Bundesteilhabegesetz, das Teilhabe und Selbstbestimmung auch von Behinderten stärkt. In der Arbeitswelt sind 2018 einige Neuerungen eingeführt worden, die Unternehmen bei der Inklusion von behinderten Menschen unterstützen können. So sind beispielsweise neben Behindertenwerkstätten auch andere Leistungsanbieter mit geschultem Personal für die Betreuung möglich, für Unternehmen gibt es ein Budget für Arbeit (Lohnzuschuss) sowie Kostenerstattungen für Anleitung, Begleitung und Hilfsmittel. Esther Hagenow steht für Anfragen unter esther.hagenow@neuenburg.de gern zur Verfügung.

Neues aus den Schulen in Müllheim und Neuenburg am Rhein
In Bezug auf Inklusion stoßen die Schulen, so Frank Kreutner vom Kreisgymnasium Neuenburg (KGN) an ihre Grenzen, da Inklusion ja nicht nur baulicher, sondern zeitintensiver betreuerischer Maßnahmen bedarf. Das Gymnasium steht bezüglich Berufsorientierung und Einbindung von wirtschaftlich orientierten Fächern vor einem Umbruch. Ab September 2018 wird es am KGN in den Klassen 8 bis 10 ein verpflichtendes Fach „Wirtschaft“ mit einer Stunde pro Woche geben. Hierfür möchten das KGN gern die Kontakte zur heimischen Wirtschaft ausbauen und vertiefen. Die neu gebaute Außensportanlage wird im Mai eröffnet und von der Stadt Neuenburg am Rhein übernommen werden.

Die kaufmännischen und gewerblichen Schulen in Müllheim - vertreten durch Dr. Christine Seifert und Svjetlan Magazinovic - stehen wegen der Verlegung der Beruflichen Schule nach Bad Krozingen und der Sanierung der Georg-Kerschensteiner-Schule vor großen verwaltungstechnischen und baulichen Herausforderungen. Neben Themen der Inklusion sind es auch die geflüchteten Jugendlichen, die Zeit und Aufmerksamkeit benötigen und bei denen der Übergang in eine Ausbildung nicht so einfach zu bewältigen ist.

Der Arbeitsmarkt in der Region – Aktuelle Entwicklungen
„Die Wirtschaft brummt und in der Region herrschen traumhafte Verhältnisse, was den Arbeitsmarkt anbetrifft“, so startete Armin Ernst vom Jobcenter in seine Ausführungen. Die Arbeitslosenquote in der Region beträgt 2,4 Prozent. Von 224 Arbeitslosen sind 15 unter 25 Jahre. Da allein die Jugendarbeitslosigkeit im Elsass bei über 22 Prozent liegt, sind Kooperationen zwischen Deutschland und dem Nachbarland in Bezug auf Fachkräftemangel, Ausbildung und Beschäftigung von großer Bedeutung. Hier stehen Fördertöpfe zur Verfügung. Frank Reipka, Berufsberater U 25 bei der Agentur für Arbeit, lobte vor allem die gute Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeitern in Neuenburg am Rhein. Am 5. Oktober findet wieder der Neuenburger Berufsinformationstag (NEBIT) statt, bei denen sich Unternehmen potentiellen Auszubildenden präsentieren können.
Bürgermeister Joachim Schuster bedankte sich in seinem Schlusswort bei den Referenten für die fachkundigen Informationen und den Austausch zu den wieder spannenden Themen. Der bereits zum 21. Mail stattfindende Arbeitskreis Wirtschaft & Schulen bewähre sich immer wieder. Ein wichtiges Ziel in Neuenburg am Rhein ist es, innovative Betriebe anzusiedeln, für die die notwenigen Fachkräfte existentiell wichtig sind. Daher ist die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Schulen aktueller denn je. Eine „Jahrhundertchance“ für die Stadt und die Region wird die Landesgartenschau sein, die am 8. April 2022 eröffnet wird. Viele interessante Themen auch für den nächsten Arbeitskreis Wirtschaft & Schulen, der voraussichtlich im Herbst 2018 stattfinden wird. Für die nächsten Treffen sind Besuche bei der Bubendorff GmbH bzw. bei der Hekatron GmbH angedacht.