Vorstellung der Ergebnisse des Fußverkehrs-Checks in der Gemeinderatssitzung vom 23.07.2018

Wie sicher können sich Fußgänger in der Stadt Neuenburg am Rhein bewegen? Um ein konkretes Bild zu bekommen, hat sich die Stadt einem Projekt des Landesverkehrsministeriums angeschlossen, das seit 2015 mit gezielten Maßnahmen den Fußverkehr in den Städten fördert.

2017 bekam die Neuenburger Bewerbung um einen Fußverkehrscheck den Zuschlag zusammen mit sieben weiteren Kommunen. Durchgeführt wurde der Check von der Dortmunder Firma Planersocietät, Stadtplanung, Verkehrsplanung und Kommunikation. Die Ergebnisse fasste Kevin Hillen vom Planungsbüro in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates zusammen.

Zwei Stadtbegehungen und ein Workshop
Die Basis der Untersuchung waren zwei Stadtbegehungen am 20. Juli und am 28. September 2017 sowie ein Abschlussworkshop mit allen Beteiligten im November. Während bei der ersten Begehung der Bereich um das Seniorenzentrum St. Georg im Blickpunkt stand, konzentrierte sich die zweite auf die Schulen und ihre Umgebung. Das primäre Ziel eines solchen Fußverkehrschecks sei kein Maßnahmenkatalog, informierte Bürgermeister Schuster vorab. Vielmehr gehe es um Erkenntnisse und das Aufdecken von Handlungsfeldern, wenn beispielsweise konkrete Maßnahmen im Straßenbau anstehen, bei denen dann die Belange der Fußgänger verstärkt in den Fokus rücken. Was im Einzelnen dafür gemacht werden soll, entscheide der Gemeinderat dann im konkreten Fall.

Ortsbegehungen als Ausgangspunkt
Die erste Begehung richtete das Augenmerk auf die Mobilität von älteren Menschen und die Verknüpfung des Stadtzentrums mit den Einkaufsmärkten. Die zweite Begehung im Schulumfeld sei besonders spannend gewesen, weil auch die Kinder selbst mit einbezogen wurden, berichtete Hillen. Um ein Gefühl zu bekommen, wie es ist, mit schwacher Sehkraft am Straßenverkehr teilzunehmen, erhielten die Kinder eine entsprechende Brille, was für große Aha-Effekte und Motivation zum Mitmachen sorgte. „Wir haben bei den Kindern ein hohes Problembewusstsein festgestellt“, sagte Hillen. So wissen beispielsweise alle um die Probleme der „Eltern-Taxis“, die direkt am Schuleingang parken. Einige hätten sich auch Gedanken gemacht, wie man die Autofahrer dazu bringt, Fußgängerüberwege zu respektieren. Alles in allem sei die Perspektive der Kinder sehr aufschlussreich gewesen, meinte Hillen.

Positive Ergebnisse, aber auch Handlungsbedarf
Der Fußverkehrscheck in Neuenburg brachte positive Ergebnisse, aber auch solche, die ein weiteres Handeln erforderlich machen. So lobt die Studie die hohe Aufenthaltsqualität am Rathausplatz, die attraktive Umgebung mit Naherholungsgebieten am Wuhrloch und Rhein und die kurzen Wege in der Innenstadt. Als eine große Chance bewertete Hillen die Pläne zur Umgestaltung der Schlüsselstraße und weitere Baumaßnahmen im Vorfeld der Landesgartenschau. Nachholbedarf wird aufgezeigt bei der derzeitigen Situation in der Schlüsselstraße mit ihrem starken Durchgangsverkehr und bei der Barrierefreiheit. Auch sind viele Gehwege zu schmal oder gar nicht vorhanden und auch die Sicherheit im Schulumfeld lässt zu wünschen übrig, wie Fotos von Querungssituationen zeigten. Handlungsbedarf gibt es laut der Studie auch bei der Verknüpfung der Bushaltestelle in der Breisacher Straße mit den Schulen und am Bahnübergang.

Was bringt der Fußverkehrscheck?
Ziel der Erhebung sei, dass die Stadtverwaltungen den Fußverkehr bei allen Entscheidungen mitdenken, erläuterte Hillen. So könne durchaus ein Haushaltstitel eigens hierfür eingerichtet werden. Ein wichtiges Ziel sei auch, ein gemeinsames Nahmobilitätskonzept für Fuß- und Radverkehr zu erstellen, das durchgängige Netze bildet. Wenn dieses den Vorgaben des Landes entspricht, kann es über Mittel aus dem „Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz“ (LGVFG) gefördert werden, erklärte Hillen. Für Bürgermeister Joachim Schuster war der Fußverkehrscheck eine „bereichernde Veranstaltung“. Aus der Perspektive von Kindern, Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder anderen Handicaps zeige sich vieles als Problem, was Nicht-Betroffene gar nicht wahrnehmen, sagte er. Mit dem Büro Planersocietät werde die Stadt auch in Zukunft zusammenarbeiten.

(created on 31. July 2018)