Zusammenleben in Neuenburg am Rhein

Mehr als ein Jahr wurde in Neuenburg im Rahmen des Projektes „Integration durch Bürgerschaftliches Engagement“ an einer Integrationsstrategie „Zusammenleben in Neuenburg am Rhein" gearbeitet. Diese wurde in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats mit 21 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen beschlossen und soll am 27. November bei einer Abschlussveranstaltung in der Aula des Kreisgymnasiums vorgestellt werden. Der Abschluss des Projektes ist, dies zugleich der Startschuss für die Umsetzung des umfangreichen Maßnahmenkatalogs.

Die Stadt Neuenburg ist nicht nur seit 2017 regelmäßig am Landesprogramm „Gemeinsam in Vielfalt“ beteiligt, das Maßnahmen und Projekte zur Integration fördert. Im vergangenen Jahr erhielt die Zähringerstadt darüber hinaus als eine von 23 Kommunen den Zuschlag für das Projekt „Integration durch Bürgerschaftliches Engagement“. Ziel des Projektes ist es, mit Unterstützung durch zwei externe Prozessbegleiter eine auf die Stadt zugeschnittene Integrationsstrategie zu erarbeiten.Deren Entwurf stellten die Prozessbegleiter Thomas Uhlendahl und Hans-Jürgen Lutz von der Führungsakademie Baden-Württemberg sowie die städtische Integrationsbeauftragte Andrea Kühne dem Gemeinderat vor.Ziel des Landes ist es, eine Beteiligungs- und Engagementkultur für alle Bevölkerungsgruppen, einschließlich Geflüchteter, zu entwickeln, erläuterte Uhlendahl und ließ den Entstehungsprozess Revue passieren, der unter anderem eine Zukunftswerkstatt und auch zwei Workshops mit der Bevölkerung einschloss.„Integration verstehen wir als fortwährenden Prozess der bewussten Förderung des Zusammenlebens von Menschen und Gruppen in Neuenburg am Rhein. Zum Ziel hat sie eine füra alle gleichberechtigte, wechselseitig wertschätzende und bereichernde Teilnahme und Teilhabe am öffentlichen Leben. Sie bietet Vielfalt und Möglichkeiten der gemeinsam getragenen wie gestalteten Entwicklung auf Grundlage der gesellschaftlichen Werte, Rechte und Pflichten“, verweist Uhlendahl auf das gemeinsam erarbeitete Verständnis von Integration.Hans-Jürgen Lutz erläuterte die zentralen Handlungsfelder Sprache, Bildung und Schule, Ausbildung/Praktika/Arbeit, Wohnen, Kultur/Freizeit/Begegnung, Gesundheit, Ehren- und Hauptamt sowie Wertedialog. Hierfür wurden jeweils Leitsätze definiert und Ziele erarbeitet.„Neuenburg am Rhein bietet eine Plattform , wo Begegnung stattfinden kann“, lautet der beispielsweise der Leitsatz im Handlungsfeld Kultur/Freizeit/Begegnung. Als Ziel wird dabei unter anderem die Schaffung von Begegnungsräumen genannt.Die Integrationsbeauftragte Andrea Kühne stellte zum Schluss den umfangreichen Maßnahmenkatalog vor. Bereits umgesetzt sind das Interkulturelle Schulfest 2019, das am 27. bereits im September, im Neuenburger Kreisgymnasium stattgefunden hat sowie hat sowie die Gewinnung von Lern- und Lesepatinnen oder die Einrichtung eines Lern- und PC-Arbeitsraums in der ehemaligen Gemeinschaftsunterkunft. Auch mit der Gewinnung und Vermittlung von Lern- und Lesepatinnen für Schülerinnen und Schüler wurde bereits begonnen. Weitere kurzfristige Maßnahmen sind die Erfassung von Wohnungsleehrstand sowie, das Integrationsmanagement durch eine/n städtische/n Sozialarbeiter/in. Als mittelfristige Maßnahme schlägt die Integrationsstrategie beispielsweise ein Haus der Kultur/en und eine Begegnungscafé, ein Repair-Café, einen jährlichen Runden Tisch, die Schaffung von Praktikumsstellen und einer Koordinierungsstelle für Praktika, aber auch eine ehrenamtliche Patientenbegleitung vor.Ein Leuchtturm unter den Maßnahmen ist das so genannte FabLab, eine offene Werkstatt mit dem Ziel, Interessierten den Zugang zu modernen Fertigungsverfahren für Einzelstücke zu ermöglichen, das vom Rektor desr Kreisgymnasiums, Rainer Kügele, im Rahmen der Workshops vorgeschlagen wurde.Grundsätzlich befürworteten die Gemeinderäte die vorgestellte Integrationsstrategie. CDU-Fraktionssprecher Rudi Grunau bemängelte, dass der Gemeinderat das Papier recht kurzfristig bekommen habe. „Es gibt viele Punkte, die wir gerne nochmals besprochen hätten“, stellte er fest. Michaela Mertes und ihr Fraktionskollege Volker Schwanzer fürchteten um mögliche finanzielle Auswirkungen, welche die Zustimmung zur Integrationsstrategie nach sich ziehen könnte.Bürgermeister Joachim Schuster teilte hierzu mit, dass die Strategie und die damit verbundenen Maßnahmen eine Ideensammlung seien und die Umsetzung unter dem Vorbehalt der haushaltsrechtlichen Vorgaben stehen. Beim Thema Räume für Begegnungen gehe es nicht um die Schaffung neuer Räumlichkeiten. Die Stadt habe genügend Räume, die vielleicht anders genutzt werden könnten. Schuster verweist darauf, dass für das Bildungshaus das Nutzungskonzept überarbeitet werde.