Neuenburger Stadtbäume im Fokus

Zwei Jahre Baumkataster in Neuenburg am Rhein/ Präsentation der Ergebnisse der Kontrolle 2020Die 1786 Neuenburger Bäume im öffentlichen Raum haben einen Gesamtwert von 910.000 Euro. So jedenfalls weist es die kommunale Eröffnungsbilanz vom 1. Januar 2017 aus, die den Einstieg in die Führung des städtischen Haushalts nach dem Neuen Kommunalen Haushaltsrecht markiert. Nach anderen Berechnungsmodellen, in die ökologische, soziale und gesundheitliche Aspekte mit einfließen, könnte man für die Stadt sogar einen volkswirtschaftlichen Wert von 1,1 Mio. Euro pro Jahr ansetzen.

Das Alter dieser imposanten Weide am Wuhrlochteich schätzt der Fachmann auf 80 bis 90 Jahre

Mit dieser Information eröffnete Baumpfleger Harald Jetter zwei Jahre nach der Erstellung des Baumkatasters jetzt im Ausschuss für Umwelt und Technik die Präsentation der Ergebnisse der ersten Nachkontrolle. „Das sind echte monetäre Werte“, betonte Jetter. Die flächendeckende Baumkontrolle diene der Bestandsaufnahme, der Dokumentation des Zustands der einzelnen Bäume und einem planmäßigen Management. Ein ganz wichtiger Punkt jedoch sei die Standsicherheit, die bei Haftungsfragen eine entscheidende Rolle spiele.

Wie werden die Bäume kontrolliert? 33 Parameter sind es, die Jetter für jeden einzelnen Baum erfasst. Standort, Baumart, Durchmesser von Stamm und Krone sowie das geschätzte Alter gehören dazu, ferner die Einschätzung von Symptomen und Schadensbildern. Für jeden einzelnen Baum wird der Handlungsbedarf ermittelt und entsprechende Maßnahmen empfohlen. Bei 1781 Bäumen komme man so auf 58.773 Daten. Dass im Baumkataster seit 2018 über 160 Bäume im Stadtgebiet verschwunden sind, ist eine Folge der aktuellen Bauarbeiten an mehreren Großbaustellen. Das zeigt eine Grafik, die die Entwicklung nach den Ortsteilen darstellt. In Grißheim und Zienken sind die Zahlen nahezu gleich geblieben, in Steinenstadt leicht zurückgegangen von 227 auf 219 Bäume. Die Anzahl der Stadtbäume werde sich aber kontinuierlich durch Neupflanzungen erhöhen, sagte Jetter angesichts der Planungen zur Grüngestaltung etwa in der Schlüsselstraße oder im Rheinvorland. Was die Vitalität der Stadtbäume angeht, sei eine leichte Verschlechterung zu beobachten, die unter anderem der Folge von drei extrem wasserarmen Sommern hintereinander geschuldet sei. Für die Zukunft gelte es, schon bei der Auswahl der Baumarten darauf zu achten, dass diese mit dem zunehmend heißer und trockener werdenden Klima zurechtkommen. Der Ahorn, die mit derzeit knapp 20 Prozent im öffentlichen Raum Neuenburgs am meisten vertretene Baumart, sei für diesen Standort noch nie empfehlenswert gewesen, sagte der Fachmann. Er begrüßte die Pläne der Stadt, entlang der neu gestalteten Schlüsselstraße Amberbäume zu pflanzen. Auch der japanische Schnurbaum, der kürzlich auf dem LGS-Gelände gepflanzt wurde, komme mit dem Klima besser zurecht.

Die alten Bäume sind besonders wertvoll
Im Vergleich zu anderen Kommunen hat Neuenburg am Rhein mit zwei Prozent einen sehr kleinen Anteil an alten Bäumen. „Das ist noch ausbaufähig“, meinte Jetter mit Blick auf die besondere Pflege und Kontrolle der betagten Bäume. Zehn Prozent sollten sie am gesamten Baumbestand einst ausmachen. Dass die Stadt so wenige alte Bäume hat, ist historisch zu verstehen: Im Zweiten Weltkrieg war die gesamte Innenstadt durch zwei Angriffe schwer beschädigt worden, wobei nicht nur Häuser, sondern auch die Stadtbäume verbrannten.

Mit der systematischen Pflege der Stadtbäume wurde nach der Erstellung des Baumkatasters angefangen. Momentan sei da noch eine „Bugwelle“ an Maßnahmen abzuarbeiten, erklärte Jetter. Die Mehrzahl der Maßnahmen betreffe die Entnahme von Totholz an erwachsenen und mittelalten Bäumen. Diese sollten in den Altbaumbestand „gerettet“ werden. Für die Zukunft empfiehlt der Fachmann Bäume und Baumstandorte in die Stadtentwicklung zu integrieren, was auch bedeutet, dass bereits bei der Planung von Baumaßnahmen auch an standortverträgliche Baumpflanzungen und deren kontinuierliche Pflege gedacht werde. Ein Lob hatte er für die Baumschutzmaßnahmen an der Großbaustelle Wuhrlochpark. „Wir wollen vom Reagieren ins Agieren kommen“, sagte er. Hierfür sei der Baumkataster eine entscheidende Grundlage.