Straßenbegleitgrün und Wiesen – Stadtgrün im Spannungsfeld zwischen verkehrstechnischer, gestalterischer und landschaftsökologischer Funktion in Neuenburg am Rhein

Wenn von Stadtgrün die Rede ist, denken wir in erster Linie an Parkanlagen, Spielplätze und Friedhöfe. Dann folgt das verkehrsbegleitende Grün mit Alleen, Einzelbäumen, Hecken oder Wiesenflächen – und zuallerletzt die landschaftsökologischen prägenden Flächen der Gewässerrandstreifen, des Biotopverbundes mit den Windschutzhecken, der Rieße und dem FFH- Schutzgebietes entlang des Rheins, mit Wäldern, Waldlichtungen und Wiesen auf mageren, kiesig-sandigen Böden der Trockenaue.

Blumenwiese

Seit den 90er Jahren werden in Neuenburg am Rhein, zum Erhalt und Pflege des Biotopverbundes Günland-Pflegemaßnahmen umgesetzt die den Artenreichtum fördern.

Juliane Prinz vom Institut für Ökosystemforschung (IFÖ Freiburg) hat beobachtet, dass sich die Wahrnehmung in der Bevölkerung innerhalb der letzten Jahre verändert hat: Seitdem das Insektensterben und der Unkrautvernichter Glyphosat in aller Munde sind, interessieren sich die Menschen mehr für die Pflanzen, die um sie herum wachsen und blühen sowie die Insekten, die dort anzutreffen sind. Sie hat in den letzten 25 Jahren das Mahdregime im Biotopverbund angeleitet und setzt das Wissen nun auch für die naturnahen Naherholungsflächen auf dem Landesgartenschaugelände ein.
 
Aber was macht die Mahd aus?
Die Anlage des Grüns, der Zeitpunkt, die Technik und die Häufigkeit der Mahd haben besonderen Einfluss auf die Artenvielfalt einer Mähfläche. Diese werden hinsichtlich ihrer Nutzung klassifiziert.
 
Intensiv genutzte Rasen erfüllen ihre Funktion als trittsichere Grünfläche, als Zierrasen im Erholungsraum der Stadt und dienen als Leitsystem an Verkehrswegen. Bankette sind rein funktional angelegte Grünstreifen entlang von Landstraßen, die der Verkehrsleitung dienen. Heutzutage werden diese Bereiche artenreich angelegt oder langfristig durch wenige Mahdvorgänge und andere Schnitttechniken in artenreiche Wiesensäume umgewandelt.
 
Wiesen und Säume sind im Vergleich zu Rasen eine Vegetationsform, die aus Gräsern und Kräutern besteht. Sie sind aufgrund der verschiedenen blühenden Gräser und Kräuter ein bedeutsamer Lebensraum und Nahrungsstätte für einen Großteil der Tierwelt, vor allem Insekten. Die Blüten und Samenreife kommt aber nur zustande, wenn nicht zu häufig gemäht wird. Die Umwandlung von Rasen in artenreiche Wiesenflächen kann einige Jahre in Anspruche nehmen. Traditionell wurden Wiesen als Viehweide und zur Heuernte angelegt.
 
Wie wichtig krautreiche vielblütige Wiesenflächen als Trittsteine der Tierwelt für Nahrungsquellen und Brutplätze im Stadtgrün und Biotopverbund sind, wird deutlich anhand der Tatsache, dass die meisten von den rund 460 in Baden-Württemberg vorkommenden Wildbienenarten einen Aktionsradius von nur 70-400 m haben. Im Vergleich hierzu hat die Honigbiene einen deutlich größeren Aktionsradius von bis zu 7 km.
 
Besonderen Schutz verdienen die Magerwiesen in der sogenannten Trockenaue im Rheinwald, die sich dadurch auszeichnen, dass sie weder gedüngt, noch zu Ertragszwecken gemäht werden und somit unglaublich artenreich sind. Sie finden diese beispielsweise neben dem als Fahrrad- und Wanderweg genutzten Leinpfad entlang des Rheins sowie entlang der Kanaltrasse. In der Zeit von Ende Mai bis Juli kann der Naturliebhaber dort um die 14 Arten verschiedener Orchideen bewundern.
 
Generell ist eine Mahd notwendig um die Etablierung von Büschen und Bäumen auf den krautigen Grünflächen zu verhindern.
 
Die Stadtverwaltung Neuenburg am Rhein handhabt das Mähen öffentlicher Flächen je nach ihrer Nutzung: Intensiv genutzte Flächen werden häufiger, die naturnahen Wiesenflächen im Stadtgrün („Natur-nah-dran“) und des Biotopverbunds werden nur ein- bis zweimal jährlich gemäht (ein- bis zweischürige Mahd) oder beweidet. Das besondere an der Beweidung per Wanderschäferei ist, dass die Schafe von Süden nach Norden durch die Rheinaue und im Spätsommer wieder zurückziehen, wobei die sie die Samen vieler schützenswerter Pflanzen transportieren und so zu deren Ausbreitung entlang der Strecke beitragen.
 
Der Zeitpunkt der Wiesenmahd richtet sich nach der Aufwuchshöhe und dem Blühaspekt und so findet die erste Mahd normalerweise frühestens im Juni und die zweite Mahd Ende August/September statt. Hochwüchsige krautreiche Säume werden über den Winter stehen gelassen.
 
Die Entwicklung des Stadtgrüns spielt klimatisch, ökologisch und gestalterisch eine immer größere Rolle in unserer Gesellschaft und ist für lebenswerte Städte eine große Herausforderung. Die Stadt Neuenburg am Rhein sieht den Aufgabenschwerpunkt des kommunalen Grünflächenmanagements in der differenzierten Pflege von Grünflächen entsprechend ihrer Bedeutung, ihrer Funktion und des wirtschaftlichen Einsatzes von finanziellen Mitteln.
Mit der insektenfreundlich neugestalteten Kreisverkehrsfläche „Knoten Ost“ am Zubringer der Bundesautobahn, zeigt die Stadt Neuenburg am Rhein wie erfolgreicher Artenschutz vor Ort gelingt. Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg zeichnete dieses Engagement jetzt im Rahmen des Wettbewerbs „Blühende Verkehrsinseln“ mit der Goldenen Wildbiene aus.
 
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Lilly Nockemann
Baurecht und Umwelt
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