Die Rede von Bürgermeister Joachim Schuster bei der Eröffnungsfeier der Landesgartenschau

Sehr herzlich begrüße ich Sie alle heute zur Eröffnung unserer baden-württembergischen Landesgartenschau.
Wir freuen uns, dass Sie gemeinsam mit uns diesen besonderen Tag feiern.

Ganz besonders begrüßen möchte ich:

Den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Herrn Winfried Kretschmann mit seiner Ehefrau Gerlinde Kretschmann

Die Staatssekretärin im Ministerium für Entwicklung des ländlichen Raums und Verbraucherschutz Sabine Kurtz

Den Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Dr. Patrick Rapp

Fabian Jordan, Präsident der Mulhouse-Alsace Agglomeration, M2A

Franco Mazzi (Stadtammann Rheinfelden) als Vertreter der Zähringerstädte, älteste Zähringerstadt der Schweiz und dienstältester Stadtammann.

Bärbel Schäfer, Regierungspräsidentin
sowie weitere politische Gewählte aus Frankreich und der Schweiz

Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Landtags von Baden-Württemberg,
Damen und Herren Landräte, Oberbürgermeister, Bürgermeister, Kreisräte, Aufsichtsräte der Landesgartenschau, Aktive und ehemalige Stadt- und Ortschaftsräte, Vertreter der Kirchen

Gerhard Hugenschmidt, Vorsitzender und Tobias de Haen, Geschäftsführer der Fördergesellschaft Baden-Württembergischer Landesgartenschauen

Verbandsvertreter, Aussteller, Sponsoren, Planer - darunter Geskes und Hack aus Berlin, die Wettbewerbssieger, Ingenieure und ausführende Firmen

Medienvertreter

Andrea Leisinger und Nils Degen, Geschäftsführung der GmbH mit dem gesamten unschlagbaren Team und allen Akteuren auf der Bühne

Bürgerinnen und Bürger unserer Dreilandregion und unserer Stadt.


 
Sehr geehrte Gäste,

während den Heimattagen Baden-Württemberg 2010, haben wir anläßlich einer Kabinettssitzung in unserer Stadt den Zuschlag zur Durchführung der Landesgartenschau bekommen. Als – an Einwohnerzahlen gemessene kleinste Stadt – in der über 40-jährigen Geschichte Baden-Württembergischer Landesgartenschauen!

12 Jahre bis zur Eröffnung – das kam uns damals unendlich lang vor. 12 Jahre Zeit zu planen, Ideen zu spinnen und unsere Vision aus „Eine Stadt geht zum Rhein“ wahr werden zu lassen.  Dieser Satz klingt so einfach und bedeutet uns Neuenburgerinnen und Neuenburger doch so vieles. Denn den Rhein haben wir im Namen. Doch waren unsere Stadt und der Fluss durch die Tullasche Begradigung, zwei Weltkriege und viele Infrastrukturmaßnahmen weit auseinandergerückt. Doch die Gartenschau war schon 1992 in den Köpfen da. Herr Karl Bauer, Landschaftsarchitekt aus Karlsruhe, er ist heute hier, schrieb mir im Juli 1992, „nach einigen Tagen des Nachdenkens bin ich von Ihrer Idee einer grenzüberschreitenden Gartenschau immer mehr fasziniert“ und sagte mir seine Unterstützung zu. Der erste Antrag 2002 wurde nicht angenommen, das Integrierte Rheinprogramm war damals noch nicht so weit. Alle Beschlüsse fielen zum Thema Gartenschau über 7 Gemeinderatsgenerationen immer einstimmig aus! Respekt vor den Gremien, wir haben deshalb alle Mitglieder des Stadtrates von 1991 bis heute auch zur Eröffnungsfeier eingeladen.

Stadt. Land. Fluss. Diese drei Elemente wollten wir wieder eins werden lassen. Unzählige Zukunftswerkstätten mit allen Generationen haben dazu die Vorgaben für den Planungswettbewerb formuliert. Und wenn Sie sich heute im Anschluss an diese Feier im Stadtpark am Wuhrloch und hier in den Rheingärten umschauen, werden Sie mir zustimmen. Es ist uns gelungen, auch wenn der Weg weit steiniger war, als erwartet.
„Weil es uns zusammenbringt“- unter dieses Motto haben wir unser Ausstellungsjahr gestellt. Ein Motto, das in der jüngsten Vergangenheit noch mehr an Bedeutung gewonnen hat. Mit der Gestaltung des Geländes haben wir uns ganz bewusst auch dem Thema Kampfmittelbeseitigung angenommen.

Durch ihre Lage am Rhein und die Brücke nach Frankreich, stand unsere Stadt gerade im zweiten Weltkrieg im Zentrum unzähliger Angriffe. Davon zeugen die über 6 Tonnen Kampfmittel, die nun in erheblich größerem Umfang als vermutet gefunden und beseitigt wurden. Diese Aufwendungen haben die geplanten Kosten deutlich überstiegen und unsere Planungen belastet.
Dennoch war es uns wichtig, dies so durchzuführen und damit den Schlussstein zu diesem Kapitel unserer Stadtgeschichte zu setzen.  Nicht nur für uns, sondern aus Fürsorge gerade für unsere nachfolgenden Generationen. Die schrecklichen Bilder von zerstörten Städten aus den Kriegsgebieten lehren uns Dankbarkeit und ein noch tieferes Bestreben mit diesem nun kriegsmittelbefreiten Gelände für hoffentlich immer ideelle und materielle Brücken zu bauen. Gerade über Ländergrenzen hinweg. Deshalb sind wir stolz auf unsere französischen Freunde, dass Sie mit uns die Brücke über den Rhein und den Rheinseitenkanal um eine neue Geh- und Radbrücke ergänzen konnten. Die Einweihung war letzte Woche. Dank und Anerkennung liebe Freunde, das war eine großartige Punktlandung. Auch mit dem Ausstellungsjahr ist uns dieser Brückenschlag gelungen. Wir freuen uns sehr, dass unsere beiden Nachbarländer Schweiz und Frankreich sich bei uns einbringen. Dass im Zähringergarten gemeinsame Geschichte lebendig wird und das neue zusammengeschlossene Elsass sich erstmals mit einem eigenen Beitrag und einer Vielzahl von Veranstaltungen präsentiert.
Auch an uns ist die Corona-Pandemie nicht spurlos vorübergegangen. In den vergangenen beiden Jahren war der gemeinsame und so wichtige Austausch mit den Bürgerinnen und Bürger kaum möglich und die enormen Preissteigerungen und der Materialmangel gerade im Bausektor haben auch uns nicht unberührt lassen.

In einem gemeinsamen Kraftakt und verknüpft durch eine fruchtbare Zusammenarbeit der einzelnen Ebenen von Stadtverwaltung mit dem Regierungspräsidium bis zu Bund und Landkreis - für die ich mich an dieser Stelle einmal mehr ganz herzlich bedanken möchte - ist es uns trotzdem gelungen, die Arbeiten auf dem Landesgartenschaugelände im Zeitplan zu halten. Es freut mich ungemein, dass unsere beiden Landeskirchen einen wertvollen ökumenischen Beitrag auf der exponierten Rheinmole verwirklicht haben. Beide Bischöfe, der Erzbischof von Freiburg Stephan Burger und die neu gewählte Landesbischöfin für die evangelische Landeskirche Baden Heike Springhart, werden am Sonntag hier auf der Bühne einen gemeinsamen Gottesdienst feiern.
Zahlreiche künstlerische Beiträge gilt es zu entdecken. Die innovativ künstlerisch gestaltete Passage souterrain, also Unterführung lege ich ihnen besonders ans Herz.
Vieles was in den vergangenen Jahren realisiert wurde, wäre ohne die Landesgartenschau nicht möglich gewesen. Was nicht oft genug betont werden kann: All das was hier entstanden ist, ist nicht für die Landesgartenschau entstanden. Es bleibt für immer. Ein mehr an Lebensqualität, ein erstmaliger naturnaher Erholungsraum für die Menschen aus Neuenburg und der ganzen Region.
Totholzbäume, ungezähmtes Dickicht und ungemähte Wiesen – vielleicht mag sich der ein oder andere wundern, der Landesgartenschauen lediglich mit gepflegter Blütenpracht in Verbindung bringt. Ja auch das gibt es bei uns. Und das ist gewollt. Stadtentwicklung und Natur- und Artenschutz, das muss sich ergänzen.

Der Blick auf Themen wie den Klimawandel oder nachhaltiges Handeln darf heute bei einer Landesgartenschau nicht mehr fehlen. Mit den Rheingärten wurden bestehende Naturräume nicht komplett neugestaltet, sondern das Bestehende so neu geordnet, das Lebensraum für Mensch und Tier entstanden ist.

Dies schließt nicht aus, dass Landesgartenschauen und Stadtentwicklung sich auch im Bereich Digitalisierung neu ausrichten müssen, auch das hat die Corona-Pandemie gezeigt. Einige unserer Aussteller und Sponsoren bringen Ihnen den Mehrwert neuer Technologien auf unserem Gelände ganz praktisch vor Augen. Gartenschauen bieten aber auch die Chance, Stadtentwicklung mit Freiflächenplanung zu kombinieren. Drei grandios gestaltete große Kreisverkehrsanlagen haben die unfallträchtige Eingangssituation zur Stadt entschärft, über das Landessanierungsprogramm wurde die Innenstadt umgebaut und die Schlüsselstraße einladend gestaltet. Aus der Stadt kommt man nun über den Münsterplatz, das Parkhaus am Rheintor, die Zähringerbrücke in den Bertholdsturm, der gleichzeitig mit seinem Panoramablick in 35 m Höhe einen fantastischen Eindruck unserer Landschaft zwischen Vogesen, Jura und Schwarzwald vermittelt, barrierefrei in den Stadtpark am Wuhrloch und weiter zum Rhein. Damit schließt sich die Achse aus der Stadt an den Rhein. Frankreich und essen bringt mich auf das letzte Thema. Unsere regional ausgerichtete Gartenschau sollte auch ein gastronomisches Angebot unserer Raumschaft spiegeln. Ich bin deshalb sehr dankbar, dass es gelungen ist, Küche und Keller mit unseren heimischen Anbietern präsentieren zu können. Nicht ein industrieller Einheitsbrei, sondern heimatliches und vielversprechendes für Gaumen und Magen soll überzeugen. Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass wir bei allen Planungen ganzheitlich alle Generationen eingebunden haben. Neben sozialen Komponenten bei den Eintrittspreisen, haben wir auch eine Familienkomponente eingebaut. Kinder und Jugendliche bis zum 17. Lebensjahr haben freien Eintritt. Wir wollen die junge Generation dafür gewinnen, kreativ aber auch verantwortlich mit den neu gestalteten Angeboten umzugehen, damit sie auch über einen langen Zeitraum noch den Nutzen haben werden. Ich bin da voller Zuversicht.
 
Am Ende möchte ich noch ein ganz persönliches Dankeschön aussprechen:
Überall auf dem Gelände sind für unseren 164-tägigen Landesgartenschausommer fantastische Ausstellungsbeiträge entstanden. Mein Dank gilt hier bereits heute Ihnen liebe Aussteller für Ihr Engagement, Ihre Ideen, Ihre Kreativität mit denen Sie sich hier einbringen.
Dies gilt ebenso unseren Sponsoren, die uns als starke Partner zur Seite stehen und so vieles möglich machen.
Ein Dank geht an die Gemeinden und Verwaltungen und Vereine aus der ganzen Region, die gemeinsam mit uns eine Landesgartenschau in der Region für die Region gestalten.
An die Neuenburgerinnen und Neuenburger, die in den vergangenen Jahren Baustellenlärm, längere Wege, Schmutz und Lärm ertragen mussten.
An meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der Landesgartenschau GmbH, sowie an die beteiligten Baufirmen und gärtnerischen Betriebe, die weit über ihre Grenzen hinausgegangen sind, um hier punktgenau alles fertig werden zu lassen,
den mehr als 350 Ehrenamtlichen aus Stadt und Region, die uns in den kommenden 164 Tagen großartig und mit viel Herzblut unterstützen werden.

Das alles ist Gartenschau!

Ich freue mich sehr auf dieses für unsere Stadt einmalige Jahr, dass an jedem Tag anders und doch besonders werden wird und wünsche uns allen viele einmalige Erlebnisse und heute einen schönen Aufenthalt hier bei uns am Rhein!