Einweihungsfeier Freibad Steinenstadt

NEUENBURG AM RHEIN-STEINENSTADT (fl) In Anwesenheit zahlreicher Besucher und bei strahlendem Sommerwetter fand die Einweihung des Freibades Steinenstadt statt. Nach der aufwendigen Sanierung steht das wunderschön gelegene, nunmehr mit neuester Technik ausgestattete Schwimmbad seit dem 30. Mai auch wieder den Badegästen zur Verfügung.

Bürgermeister Joachim Schuster am Wasser des Freibades
Bürgermeister Joachim Schuster

Bürgermeister Joachim Schuster begrüßte die Mitglieder des Gemeinderates, die Vertreter der an der Sanierung beteiligten Firmen und des Ortschaftsrates Steinenstadt sowie etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Neuenburg mit herzlichen Worten und ging kurz auf die Geschichte des Bades und seiner umfänglichen Renovierung ein. Die Geschichte des Freibads beginnt in den 1950er-Jahren. Damals bohrte man nach Öl, fand aber stattdessen Thermalwasser. Nach einer Bauzeit von achtzehn Monaten wurde am 1. Mai 1965 das Bad eröffnet. 2015 konnte das 50jährige Bestehen des Thermalsportbades mit seinem nostalgischen Charme gefeiert werden. Besonderer Beliebtheit erfreute sich die Anlage wegen ihrer romantischen Lage in einer Art Parklandschaft mit vielen alten, schattenspendenden Bäumen in der ganzen Region, einschließlich des Elsass und der Schweiz.

Doch im Laufe der Zeit zeichnete sich die Sanierungsbedürftigkeit ab, da unter anderem die Ansprüche an die technischen Erfordernisse und die Aufbereitung der Wasserqualität mit der Technik aus den 1960er-Jahren nicht mehr zu leisten waren. Durch die aktuellen Vorgaben stand man vor der Entscheidung, das Bad zu sanieren oder zu schließen. Um das einmalige Kleinod zu erhalten, hat sich der Gemeinderat der Stadt Neuenburg am Rhein am 18. Juni 2018 für die Sanierung entschlossen.
Möglich wurde dies nur durch die Fördermittel des Bundesministeriums des Innern für Bau und Heimat in Höhe von 735.408 Euro aus dem Programm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. Außerdem förderte das Regierungspräsidium Freiburg über das Landesprogramm „Entwicklung ländlicher Raum“ das Projekt mit 295.760 Euro. Die Gesamtkosten belaufen sich mit Stand vom 11. Mai dieses Jahres auf knapp zweieinhalb Millionen Euro. Nach einer Bauzeit von eineinhalb Jahren wurde die Sanierung nun erfolgreich abgeschlossen.

Die Besucher erwartet ein attraktives Freibad mit einer Breitwellenrutsche von 50 Meter Länge, einem Ein-Meter- und Dreimeter-Sprungbrett, einem 25-Meter-Schimmbecken sowie einem Nichtschwimmerbereich und einem Kinderplanschbecken. Darüber hinaus existieren zahlreiche Möglichkeiten für Sport und Spiel. Eingebettet ist das Ganze in eine wunderschöne Grünanlage mit altem Baumbestand, in dem sich zahlreiche sonnige und schattige Plätze finden lassen.
Mit der Sanierung des Freibades hat die „Sportstadt Neuenburg am Rhein“ einen weiteren attraktiven Ort geschaffen und ein Traditionsbad erhalten, das nun in neuem Glanz erstrahlt, so das Stadtoberhaupt. Schusters Dank galt den Fördermittelgebern, den Planern, den 49 ausführenden Firmen sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Neuenburg am Rhein für ihre Arbeit. Besonders würdigte der Bürgermeister die Arbeit von Alexander Schächtele, dem Leiter des Bades und seinem Team.
Nach Joachim Schuster sprach Steinenstadts Ortsvorsteher Hans Winkler ein Grußwort. Winkler erinnerte sich: „In einer Kuhle hinten an der Quelle haben wir Kinder und Jugendliche in einem von Erde umgebenen Loch im Überlauf des austretenden Thermalwassers gebadet. Heute ist da kaum vorstellbar. Als das Bad gebaut war, haben wir Jungs unter dem damaligen Bademeister Manfred „Hauemandi“ Hau am Abend zum Badeschluss Papier und Müll eingesammelt. Als Belohnung gab es freien Eintritt, und wenn mal viel Arbeit war, fünfzig Pfennig obendrauf.“ Man habe großen Respekt vor den damaligen Pionieren, die unter der Leitung von Steinenstadts damaligem Bürgermeister Mathias Ruth die geniale Idee hatten, das Thermalwasser zu nutzen und der umliegenden Bevölkerung ein Thermalsportbad anzubieten. Winkler ging auch auf die damalige Baugeschichte ein. Im Jahre 1952 bohrte eine Firma im Rheinvorland nach Erdöl. In einer Tiefe von 480 Meter wurden die Bohrarbeiten aufgegeben und das in der Bohrung verbleibende Rohr oberflächlich abgedichtet. Nach einem Erdstoß strömte im Spätsommer des Jahres 1952 warmes Wasser aus dem Bohrloch.

Der Kurort Badenweiler kaufte das Grundstück und es kam zu Verhandlungen und einem Vertragsabschluss mit Steinenstadt. Nach diesem Abkommen benutzt Badenweiler das hochwertig Thermalwasser für seine Heilquelle. Mit dem restlichen Wasser wird das Schwimmbad gespeist. Der Kostenaufwand für den Bau betrug 600.000 DM, Land und Bund beteiligten sich mit 140.000 DM. Mit einer Größe von 33,5 Metern Länge und 16,6 Metern Breite entsprach das Schwimmbad den Anforderungen des deutschen Schwimmverbandes und es war daher möglich, Sportveranstaltungen abzuhalten. Auch die Technik war damals auf dem neuesten Stand, aber über die Jahre mussten immer wieder viele Investitionen getätigt werden.
Winkler dankte der Stadt Neuenburg dafür, dass sie sich für eine Sanierung des Freibads entschlossen hat. Nicht nur die Einheimischen würden davon profitieren, sondern auch die Campingplätze und die Hotellerie im Umland sowie der Tourismus im ganzen Markgräflerland.

Jörn Thamm von der Firma Bauraum GmbH Konstanz informierte im Anschluss über das von seinem Unternehmen entworfene Konzept, die Entwicklung und Ausführung des Bauplans. Es ging darum, den Sport- und Spaßcharakter des Bades zu erhalten, so dass auch die Anforderungen für Wettbewerbe erfüllt sind.  Das große Becken wurde komplett erneuert, der Nichtschwimmerbereich vergrößert und auch das Kinderplanschbecken musste mit einer neuen Folie ausgelegt werden. Der Sanitärbereich wurde behindertengerecht gestaltet und das Personal erhielt neue Räume. Im Eingangsbereich wurden Behinderten- und Fahrradparkplätze geschaffen. Von den 21 am Bau beteiligten Firmen seien, so Thamm stolz, seien 16 im regionalen Bereich ansässig.
Für die Firma EnergiePlan GmbH sprach Till Bethe ein Grußwort. Planungsarbeit, so Bethe, sei „unsichtbar“, denn vieles davon, gerade auch die Technik, könne man nicht sehen. So seien insgesamt 2,6 Kilometer Rohrleitung unterirdisch verbaut worden sowie etliche Kilometer Kabel. Bei den Pumpen sei man nicht mehr auf Erdgas angewiesen, da auch eine Solaranlage installiert worden sei. Wer genau hinsehe, könne bemerken, dass die Wasserumwälzung in den drei Becken unterschiedlich verlaufe. Sie sei im Nichtschwimmerbereich aufgrund der hohen Badefrequenz höher als im Schwimmerbereich. Insgesamt sei ein großer Anteil an Technik in die Sanierung eingebunden.

Last but not least äußerte sich der Leiter des Bades, Alexander Schächtele. Für ihn und sein Team sei die Sanierung eine „Never ending Story“ gewesen, die viel „Blut, Schweiß und Tränen“ gekostet habe. Doch nun sei man stolz auf die „tolle Anlage“ und freue sich auf die Öffnung des Bades für Gäste am 30. Mai.

Im Anschluss an die Grußworte konnten die Besucher der Feier sich bei einem Rundgang durch die Anlage selbst ein Bild von der gelungenen Sanierung und dem neuen Glanz des Bades machen. Auch gab es Sekt, alkoholfreie Erfrischungen und Hefekuchen, die von den freundlichen Mitarbeiterinnen der Stadt Neuenburg am Rhein offeriert wurden.

Text und Fotos: Bianca Flier