Jeder einzelne Stadtbaum hat jetzt seinen Datensatz

Stadtkataster beschreibt alle 1809 Bäume in den Neuenburger Innenbereichen.
1809 Bäume stehen in den Innenbreichen der Neuenburger Kernstadt und der Ortsteile. Eine lückenlose Erfassung des individuellen Zustandes, was Gesundheit, Alter und Verkehrssicherheit betrifft, stehe schon lange auf der Agenda der Stadtverwaltung und sei jetzt in einem Baumkataster abrufbar, erklärte Bürgermeister Joachim Schuster in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik, in der das Dokument vorgestellt wurde.

Ausgearbeitet hat den Baumkataster die Müllheimer Firma Pfefferer Baumkultur. Deren Geschäftsführer Harald Jetter erläuterte die Einzelheiten. Der Baumkataster sei jetzt eine verlässliche Grundlage für künftiges Handeln und soll jährlich in Zusammenarbeit mit Pfefferer Baumkultur aktualisiert werden, sagte Schuster.
Jetter gliederte die Funktionen eines Stadtbaumes auf: als städtebauliches und gestalterisches Element, als Träger vielseitiger ökologischer Funktionen und als Wohlfühlfaktor. Als gelungenes städtebauliches Element nannte Jetter die Platanen am Rathausplatz, die aber aufgrund ihres jährlichen Rückschnitts und anderer regelmäßiger Pflegemaßnahmen nicht im Baumkataster aufgeführt werden. Gesunde ältere Bäume bedeuten eine Wertsteigerung für Grundstücke, betonte er.
Ökologische Faktoren bei der Bewertung eines Baumes seien seine Bedeutung für Klimaschutz, Arten- und Bodenschutz. Bäume sorgen für Wohlbefinden auf Spiel- und Parkplätzen, sie filtern Feinstaub aus der Luft und sorgen mit ihrer Verdunstung für angenehme Kühle in ihrem Schatten. Es gebe unterschiedliche Kriterien, den Wert eines Baumes zu bemessen, erklärte Jetter. Mit GPS habe man jeden einzelnen Baum unter 33 verschiedenen Parametern erfasst.
Das Ergebnis sei nun eine Datenbank, von der die Arbeitsanforderungen abgerufen werden können, seien es kultivierende oder verkehrssichernde Maßnahmen.
Der Anteil von besonders wertvollen Altbäumen ist in Neuenburg im Vergleich zu anderen Städten gleicher Größe geringer. Grund sei die Tatsache, dass im Krieg im Stadtgebiet nicht nur die Häuser, sondern auch die Bäume schwer beschädigt oder ganz zerstört wurden. Die Mehrzahl der Stadtbäume sei gesund, 28 Prozent seien geschwächt und acht Prozent sogar sehr geschwächt erklärte Jetter. Hinzu kommt, dass die beiden in Neuenburg am häufigsten vertretenen Arten, nämlich Ahorn und Baumhasel, den Klimawandel mit zunehmenden Perioden von Trockenheit und Hitze nicht gut vertragen. Werden Bäume neu gepflanzt, würden heute viel größere Mengen an Substrat und viel mehr Platz für den Wurzelbereich gefordert als früher, sagte Jetter.
Zwölf Kubikmeter Substrat brauche ein neu gepflanzter Straßenbaum. Planung, Pflanzung und die Pflege entscheiden über Vitalität und Langlebigkeit. Beim Handlungsbedarf unterscheidet der Baumkataster zwischen „sofort, dringend, wichtig oder wünschenswert“.
Ein „Herzensanliegen“ sei ihm, die jetzt erwachsenen Bäume in die nächste Altersklasse der Altbäume zu bringen, sagte der Baumfachmann.
Das gehe nur, wenn dafür dauerhaft Ressourcen bereitgestellt würden: „Schönheit macht Arbeit und kostet Geld“.
Bei künftigen Maßnahmen der Stadtgestaltung, wie sie jetzt beispielsweise in der Schlüsselstraße und am Kronenrain in größerem Stil anstehen, gelte es, Baumstandorte sinnvoll zu integrieren und bestehende Bäume während der Baumaßnahmen zu schützen. Bürgermeister Schuster versprach, dass man bei Neuanlagen künftig diesbezüglich Sachverständige heranziehen werde. Bei Genehmigungen für Baumaßnahmen werde explizit auf das Thema Baumschutz hingewiesen. So könne man auch eventuelle Regressansprüche absichern.