Fußgänger und Radfahrer sollen die Innenstadt beleben

Das Nahmobilitätskonzept soll ihre Belange in die laufenden Projekte einbringen

Die individuelle Fortbewegung zu Fuß oder mit dem Fahrrad stand im Zentrum der öffentlichen Auftaktveranstaltung „Nahmobilitätskonzept“, mit der die Stadt Neuenburg am Rhein zusammen mit dem Büro „Planersocietät“ eine „menschenfreundliche Infrastruktur“ schaffen will.

Dabei geht es um die Belebung der Innenstadt und die Verbesserung der Aufenthaltsqualität. Ein vom selben Büro 2017 in zwei Etappen durchgeführter, vom Landesverkehrsministerium geförderter Fußverkehrscheck, bei dem auch die Bevölkerung einbezogen war, brachte schon erste Ansatzpunkte, die am 23. Juli 2018 im Rahmen einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats vorgestellt wurden. Hier habe sich auch gezeigt, dass schon einiges an Erleichterungen für Fußgänger und Radfahrer umgesetzt wurde, auch mit Blick auf die Verkehrsteilnehmer mit Handicap, erklärte Dieter Branghofer, Fachbereichsleiter „Lebenswerte Stadt“ in der Stadtverwaltung. Als Teilnehmer, die ihre Anregungen mit einbringen konnten, waren nicht nur Vertreter von Gemeinderat, Senioren- und Jugendrat gekommen, sondern auch von den Schulen und aus der Bürgerschaft. Auch Esther Hagenow, die Inklusionsbeauftragte der Stadt, war da.

Mit dem Nahmobilitätskonzept sollen bereits begonnene Planungen und Projekte zusammengeführt werden, erläuterte Kevin Hillen von der Planersocietät und nannte dabei als Themenfelder die Landesgartenschau und die Umgestaltung der Schlüsselstraße. Es gehe nicht darum, ein weiteres Planwerk zu erstellen. Am Anfang stehe eine Bestandsaufnahme und eine Analyse der herrschenden Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer. Der Fußverkehrscheck habe positive Eindrücke gebracht, aber auch gezeigt, wo Nachholbedarf besteht, sagte Hillen. Zum Beispiel bei der Barrierefreiheit, der Sicherheit im Schulumfeld und bei einigen Querungen. Der Durchgangsverkehr in der Schlüsselstraße mindere die Aufenthaltsqualität im Zentrum. Der Bestandsaufnahme und -analyse sollen nun Empfehlungen für konkrete Maßnahmen und ein Handlungskonzept folgen, das Verwaltung und Gemeinderat schrittweise umsetzen können. Im zweiten Quartal 2019 soll es eine öffentliche Planungsradtour geben, von der sich die Planer weiteren Input der Bürgerinnen und Bürger versprechen. In einer ersten Bestandsaufnahme im Januar dieses Jahres zeigte sich, dass die Fußgänger zum Teil große Distanzen zwischen den sicheren Straßenquerungen zu überwinden haben: „Fußverkehr ist superempfindlich gegen Umwege“, stellte Hillen fest. An einigen Sackgassen fehlen Hinweise darauf, ob man dort als Fußgänger und Radfahrer weiterkommt, wie zum Beispiel in der Münstergasse. Auch die Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum sind nicht alle in gutem Zustand. Weitere Kritikpunkte waren fehlende oder zu schmale Gehwege, unreflektierte Poller und Sichtbehinderungen an Kreuzungen wie der starke Bewuchs an der Ecke Tullastraße / Tennenbacherstraße. Beim Blick auf den Radverkehr hatte die Planersocietät auch die Verbindungen zu den Nachbarkommunen einbezogen und dabei nach „Führungsformen“ differenziert, was bedeutet, welche Verkehrsarten auf der betreffenden Route gleichzeitig stattfinden. 44 Prozent des untersuchten, 81 Kilometer langen Radwegenetzes werden im Mischverkehr geführt. Für Radfahrer besonders unangenehm: auf mehr als einem Fünftel dieser Mischverkehrsstrecken ist Tempo 100 erlaubt.

Auch Schäden am Straßenbelag waren Thema der Bestandsaufnahme, denn diese können für Radfahrer nicht nur unbequem, sondern auch gefährlich werden. Das Nahverkehrskonzept legt auch Augenmerk auf so genannte intermodale Schnittstellen, also die Punkte, an denen die Verkehrsteilnehmer die Fortbewegungsart wechseln wie zum Beispiel Bushaltestellen, der Bahnhof und Fahrradparkplätze. Hier gibt es offenbar deutlichen Handlungsbedarf: Viele öffentliche Einrichtungen haben überhaupt keine Abstellmöglichkeiten für Fahrräder oder der Rahmen des Fahrrades kann nicht angeschlossen werden. Teilweise seien auch die Verbindungen zu den Nachbarkommunen unattraktiv, stellt die Planersocietät fest. In zwei Gruppen sammelten Teilnehmer dann unter der Moderation der Planer an Stellwänden weitere Anregungen zum Thema. Im Nu füllten sich die leeren Flächen mit Stichworten, die im weiteren Verfahren berücksichtigt werden sollen: Rücksichtnahme, Problembereich Versorgungsmärkte, Querneigungen der Gehwege und vieles mehr. Wie immer bei solchen Veranstaltungen hatte die Stadt für eine ansprechende Verpflegung mit Brezeln und Getränken gesorgt.