Die Wärme aus der Tiefe nutzen

Eine Firma will Areal am südlichen Oberrhein auf Möglichkeiten für die Geothermie untersuchen / Betroffene Kommunen beteiligtDas südliche Oberrheingebiet ist durch seine geologische Beschaffenheit interessant für die Gewinnung von Erdwärme als natürliche Energiequelle und Ersatz für fossile Brennstoffe. Ein Unternehmen hat beim Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) jetzt einen Antrag gestellt, im Großraum Freiburg die Möglichkeiten für die Gewinnung von Erdwärme, Sole und Lithium zu erkunden. Im so genannten Aufsuchungsgebiet liegt auch die Gemarkung Neuenburg am Rhein.

Deswegen befürwortete der Ausschuss für Umwelt und Technik in seiner jüngsten Sitzung den Antrag auf eine bergrechtliche Erlaubnis. Die Zustimmung wurde erteilt unter der Voraussetzung, dass Planungen der Stadt, bei Themenfeldern wie Grundwasser, Städtebau, Verkehr und Naturschutz durch die Untersuchungen nicht beeinträchtigt würden. Man gehe davon aus, dass man auch an den folgenden Verfahren des Projekts beteiligt werde, heißt es in der Beschlussvorlage weiter. Der Antragsteller sichert sich mit diesem Vorgehen eine fünfjährige Erkundungszeit, in der weitere Mitbewerber in dem betreffenden Gebiet nicht aktiv werden können.

Das Thema Geothermie beschäftige die Stadt schon lange, erklärte Bürgermeister Joachim Schuster. Schließlich ist die Stadt aktiv im Bemühen, sämtliche Möglichkeiten erneuerbarer Energien auszuloten und dabei auch sehr erfolgreich, wie bereits drei Silbermedaillen im Wettbewerb European Energy Award beweisen. In den ersten Planungen für die Landesgartenschau war deshalb ein kleines Areal für Tiefengeothermie reserviert, das aber dann gestrichen wurde, als die eingeplante Firma das Projekt aufgegeben hatte. Wichtig war Schuster zu erklären, dass es unterschiedliche Techniken zur Gewinnung von Erdwärme gibt. Die für ein Erdbeben in Basel verantwortliche Technik, die mit der Verpressung von kaltem Wasser in warmes Gestein arbeitete, werde nirgendwo mehr weiter verfolgt. Die Hebungen unter der Stadt Staufen seien durch unsachgemäße Bohrungen verursacht worden, in deren Folge Wasser in eine quellfähige Gipsschicht eingedrungen sei. Auch hier habe man die Lehren gezogen. Inzwischen gebe es neue Technologien.

Ob diese im jetzt definierten Gebiet zum Einsatz kommen, sei noch völlig offen. Der erste Schritt, die so genannten Aufsuchungsarbeiten, sei eine reine Erkundung des Geländes. Der Antragsteller hat in seinem Antrag das geplante Arbeitsprogramm ausführlich beschrieben. Dies zeige, dass die geplanten Schritte keine unmittelbaren Wirkungen auf Dritte oder die Umwelt haben, heißt es in der Beschlussvorlage. Falls im Zusammenhang mit den Erkundungen Messanlagen errichtet oder Grabungen vorgenommen werden sollen, müssen diese jeweils in einem eigenen Verfahren mit dem LGRB abgestimmt und genehmigt werden. Dabei werden die jeweils von der Maßnahme betroffenen Gemeinden beteiligt. Ziel dieser Phase ist eine Machbarkeitsstudie, die die möglichen Nutzungsszenarien im Erlaubnisfeld aufzeigt und bewertet. Die Machbarkeitsstudie soll auch Aufschluss darüber geben, ob weitere geophysikalische Feldmessungen sinnvoll sind. Diese würden dann einen bergrechtlichen Betriebsplan voraussetzen.  Dass das ganze Geothermie-Projekt Neuenburg am Rhein eher am Rande berühren könnte, zeigt die Fokussierung des Antragstellers auf bereits bestehende Wärmenetze im Freiburger Stadtgebiet sowie in Breisach, Bad Krozingen und dem Gewerbepark Breisgau. Fakt ist nach Schuster auch, dass die Temperaturen in den tiefen Schichten von Nord nach Süd abnehmen. Jetzt gehe es erst einmal darum, die Voraussetzungen für die Nutzung von Erdwärme zu prüfen. Diese Chance sollte ergriffen werden, sagte Schuster. Der vorliegende Beschlussvorschlag sei außerdem mit den anderen im Untersuchungsgebiet liegenden Kommunen abgestimmt. Die jetzige Befürwortung durch den Ausschuss sei auf keinen Fall eine Zustimmung für irgendwelche Bohrungen, betonte der Bürgermeister.