Was Kinder und Jugendliche in Neuenburg bewegt

Kinder- und Jugendbüro stellt seine aktuelle Arbeit vor.
Die Arbeit des Neuenburger Kinder- und Jugendbüros hat sich gewandelt. Seit dem Schuljahr 2013 / 14 ist die Schulsozialarbeit an den Neuenburger Schulen in den Aufgabenbereich der städtischen Jugendarbeit eingebunden. Und seit wenigen Wochen wurde das Team um Wolfgang Gerbig und Martin Doll um ein weiteres Mitglied ergänzt: Mit Adriana Beldean haben jetzt auch die Mädchen eine Ansprechpartnerin für ihre Themen.

Beldean ist mit je einer halben Stelle an der Grundschule und am Gymnasium tätig. Das Team tauscht sich regelmäßig aus, so dass alle drei die aktuellen Themen und Probleme kennen und sich gegenseitig bei Abwesenheit vertreten können.
Kinder- und Jugendarbeit neu ausgerichtet
Da viele Kinder und Jugendliche durch neue Unterrichtsmodelle jetzt ganztags an der Schule sind, ist diese Art der Betreuung für Neuenburg aktuell und zeitgemäß, sagte Wolfgang Gerbig, Leiter des Kinder- und Jugendbüros bei der Vorstellung des derzeitigen Sachstandes im Ausschuss für Verwaltung und Finanzen. Um auch außerhalb der Schulzeit einen Treffpunkt für die Jugendlichen zu bieten, sei geplant, nach dem Wegfall des Jamhouse im Schulzentrum einen neuen Jugendraum einzurichten. Dass mit Adriana Beldean jetzt eine weibliche Kraft das Team unterstützt, habe nur Vorteile, sagte Gerbig. Die Schulsozialarbeit in Neuenburg setzt stark auf die Förderung sozialer Kompetenzen, und fängt viele alltägliche Konflikte zwischen Schülern oder Schülern und Lehrern ab. In der jüngeren Zeit gebe es durch den Gebrauch der Smartphones vermehrt heftige Konflikte und Mobbingaktivitäten. Dass die Kinder und Jugendlichen immer mehr auch pornografische oder rechtsradikale Inhalte herunterladen und teilen, stellt die Schulsozialarbeit vor neue Herausforderungen. Vielen sei gar nicht bewusst, dass sie sich damit strafbar machen, sagte Martin Doll. Hier könne man nur mit gezielter Aufklärung dagegenhalten. Der Wegfall der Grundschulempfehlungen zeigt sich für die Schulsozialarbeit darin, dass seither viele Kinder und Jugendliche, die ihre eigenen Leistungen überschätzt haben, die Schule wechseln. „Hier begleiten wir die Schüler in Einzelgesprächen“, sagte Doll. Darüber hinaus werde aber auch intensiv der Kontakt zu den Eltern gesucht.
Sucht und Mobbing
Beim Thema Suchtprävention lasse sich beobachten, dass die Probleme mit Alkohol etwas abgenommen hätten, dagegen sei der Cannabiskonsum angewachsen. Im Fokus der Schulsozialarbeit steht auch die Mediensucht, die schnell in eine Spielsucht umschlagen kann, bei der es schon um Geld und damit um die Gefahr der Verschuldung geht. Auch hier setzt das Team der Schulsozialarbeit auf Aufklärung und Präventionsveranstaltungen. Ein großes schulübergrerifendes Projekt zum Thema Cybermobbing plant die Schulsozialarbeit zusammen mit der Stadt Neuenburg am Rhein in Kooperation mit Schulleitungen, Lehrern, Eltern und Schülern. „Mobbingfreie Schulen in Neuenburg am Rhein“ heißt der Arbeitstitel, der in 2020 umgesetzt werden soll. Das Ziel: alle Schüler von der ersten Klasse an sollen bis zu ihrem jeweils individuellen Schulabschluss mit unterschiedlichen Methoden, Unterrichtsinhalten, sozialen Trainingseinheiten sowie Reflexions- und Informationsgesprächen und weiteren Aktionen mit dem Thema befasst werden. So können sie einen adäquaten Umgang mit Mobbingattacken und unsozialen Verhaltensweisen trainieren. Das Projekt ist ein Teil des landesweiten Projekts „stark-stärker-Wir“. Unterstützt wird es auch durch das Programm „Lions Quest“ des Lions-Clubs, der die entsprechende Schulung der Lehrkräfte finanziert.
Das Team der Schulsozialarbeit begleitet auch die berufliche Orientierung ab Klassenstufe 8, unter anderem mit dem seit Jahren erfolgreich veranstalteten Neuenburger Berufsinformationstag NEBIT, an dem sich Firmen, Ausbildungsbetriebe und weiterführende Schulen präsentieren.
Außerhalb der Schule
Auch außerhalb der Schule finden die Neuenburger Kinder und Jugendlichen Angebote des Kinder- und Jugendbüros. Der Neuenburger Kindersommer ist jedes Jahr ein gut besuchtes Highlight und wird in diesem Jahr noch einmal im Wuhrlochpark stattfinden, bevor dieser für die Gartenschau neu gestaltet wird. Mitsprache in der Freizeitgestaltung ist erwünscht und möglich über den 2012 gegründeten Jugendrat, in dem derzeit etwa 20 Jugendliche ehrenamtlich aktiv sind. Aktuell ist eine Aktion zur Kommunalwahl geplant, denn in Baden-Württemberg ist das Mindestalter für Wählerinnen und Wähler seit 2013 auf 16 Jahre gesenkt worden.