Rückblick auf das Neuenburger Wetter 2019

An der Neuenburger Wetterstation am Rheinwaldstadion, die von der Firma Meteomedia betrieben wird, werden seit März 2004 kontinuierlich die meteorologischen Werte aufgezeichnet. Zusammen mit der längeren Messreihe der Station Müllheim des Deutschen Wetterdienstes existiert damit eine gute Datengrundlage, um aktuelle Meßwerte in die Klimaentwicklung einordnen zu können.

Die monatlichen Durchschnittswerte der Lufttemperatur (Abb. 1 oben) spiegeln den jahreszeitlichen Gang des Sonnenstandes wieder, wobei der Jahresgang der Temperatur dem Sonnenstand typischerweise mit etwa einem Monat Versatz folgt. Dementsprechend sind die Monate Januar und Juli der kälteste beziehungsweise der wärmste Monat. Die Lufttemperaturen in April und Mai sind 2019 auffällig, weil sie weit weniger angestiegen sind als nach der zunehmenden Sonnenhöhe und der Tageslänge zu erwarten wäre.
Das ist ein typisches Beispiel für die von Jahr zu Jahr auftretenden Schwankungen der Werte, die sich aus wechselnden Strömungsrichtungen und Wetterlagen in der Atmosphäre ergeben.

Durch einen höheren Anteil von Strömungen aus nordwestlicher Richtung sind die Temperaturen in den beiden genannten Monaten deutlich unter dem mehrjährigen Schnitt geblieben (Abb. 2 oben). Dennoch überwiegt auch 2019 die Zahl der überdurchschnittlich warmen Monate, so dass die Jahresmitteltemperatur mit 11,7 °C um ein halbes Grad über dem mehrjährigen Durchschnittswert liegt. Diese Abweichung ist in Neuenburg im Jahr 2019 wie in weiten Teilen Süddeutschlands geringer als in West- und Norddeutschland, wo sich vor allem wegen der extremen Temperaturen im Juli des Jahres eine größere positive Abweichung vom Durchschnittswert ergibt. Vergleicht man den Jahresdurchschnittswert mit früheren Werten der DWD-Station Müllheim wird der langfristige Anstieg der Temperaturen sehr deutlich. Nach den Werten des DWD lagen die langjährigen Jahresmittelwerte der Station Müllheim in den Zeiträumen 1961-1990 und 1981-2010 bei 9,7 beziehungsweise 10,2 °C. Dieser Anstieg unterstreicht den Trend der kürzeren Zeitreihe an der Station Neuenburg (Abb. 3).
Bei den Temperaturwerten des Jahres 2019 ist weiterhin auffallend, dass die absoluten Extremwerte des Jahres nur schwach ausgeprägt waren. Die geringste Temperatur des Jahres war mit ‑6,1 °C am 19. Januar verhältnismäßig mild im Vergleich zum absoluten Minimum seit Beginn der Messungen, das mit ‑15,8 °C am 7.2. 2012 gemessen wurde. Der höchste Temperaturwert (37,5 °C am 24.7.2019) war mehr als ein Grad unter dem höchsten gemessenen Wert (38,8 °C am 7.8.2015).
Auch wenn das letzte Quartal 2019 vielen noch als eher trüb in Erinnerung ist, war über das gesamte Jahr gesehen die Zahl der Sonnenscheinstunden erheblich über dem Durchschnitt (Abb. 1 und 2 unten). Das Jahr 2019 hat bei der Zahl der Sonnenscheinstunden immerhin Rang 3 unter den bisher gemessenen fünfzehn Jahren inne.

Der Niederschlagsgang zeigt im Wesentlichen den bisher typischen Gang mit höheren Niederschlägen im Sommerhalbjahr (Abb. 1 Mitte). Die Jahressumme des Niederschlags entspricht dem langjährigen Durchschnittswert. Dass sich wieder einmal ein Jahr mit durchschnittlichen Niederschlägen eingestellt hat, war nach drei Trockenjahren innerhalb der letzten vier Jahre für den Boden- und Grundwasserhaushalt wichtig.

Was ist aber der Grund für die höheren sommerlichen Niederschläge in unserer Region? Das folgt aus der Tatsache, dass warme Luft erheblich mehr Wasserdampf aufnehmen kann als kühle Luft. Wenn es in warmer Luft zu Niederschlägen kommt, sind diese häufig sehr viel ergiebiger als Niederschläge in der kalten Jahreszeit. Starkniederschlagsereignisse sind daher im Wesentlichen für die höheren Niederschläge im Sommer verantwortlich. Ein außergewöhnlich heftiges Starkniederschlagsereignis ergab sich 2019 in Zusammenhang mit einem Gewitter in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli. Nach einem heißen Tag mit 35 Grad Lufttemperatur in 2 m Höhe über Grund und mehr als 40 Grad in Bodennähe (5 cm Höhe), fiel die Temperatur am Abend zunächst nur langsam.
Regen setzte kurz nach 20:30 Uhr unvermittelt und heftig ein, nachdem in der Umgebung bereits vorher dunkle Wolken und unzählige Blitze zu erkennen waren. Innerhalb von dreißig Minuten summierte sich der Niederschlag auf ca. 50 mm (siehe Abb. 4) und die Temperatur verringerte sich um mehr als 10 Grad. In der weiteren Folge ließ die Niederschlagsintensität rasch nach. Dennoch fielen weitere 25 mm Regen. In Zusammenhang mit diesem außerordentlich heftigen Gewitterereignis wurden in Neuenburg zahlreiche Keller überflutet und es gab mehrere Blitzeinschläge. Die Stärke des Ereignisses lässt sich daran ermessen, dass ihm mehr als die Hälfte des Niederschlags im Juli und mehr als ein Zehntel des gesamten Jahresniederschlags zuzuordnen sind.
Damit lässt sich als Fazit zum Neuenburger Wetter 2019 festhalten: Temperatur und Sonnenscheinstunden waren überdurchschnittlich. Die Niederschlagssumme entsprach dem langjährigen Mittelwert. Ein Sommergewitter brachte tropische Niederschlagsintensitäten mit sich.
Helmut Saurer