Skulptur mit historischer Glocke enthüllt

In Anwesenheit zahlreicher Bürger wurde am Sonntag auf dem Franziskanerplatz vor dem Stadtmuseum die Skulptur mit der historischen Glocke enthüllt. Bürgermeisterstellvertreter Christoph Ziel begrüßte die interessierte Menge. Nach der Enthüllung stellte der Architekt und Künstler Mario Eggen das Kunstobjekt vor. Höhepunkt der Veranstaltung war das erste Läuten der historischen Glocke in ihrem neuen „Turm“. Die Glocke begleitet seit 356 Jahren das Schicksal der Stadt in Freud und Leid.

Die von den Neuenburgern mit Spannung erwartete Enthüllung hatte zahlreiche Interessierte angelockt. Bürgermeisterstellvertreter Christoph Ziel ließ die Geschichte der über dreihundertfünfzig Jahre alten Glocke Revue passieren.
Die Glocke wurde 1663 in Basel von Hans Ulrich Roth gegossen und per Schiff-„Shuttle“ nach Neuenburg gebracht. Als französische Truppen im Jahr 1675 Neuenburg niederbrannten, entging die Glocke der Zerstörung nur durch die abgelegene Lage der Kapelle.
Dort hing sie gerade einmal einundvierzig Jahre, als 1704 erneut französische Soldaten über Neuenburg herfielen, die Stadt dem Erdboden gleichmachten und die Bürger für zehn Jahre ins Exil nach Steinenstadt gingen.

Die Neuenburger hatten in weiser Voraussicht ihre Glocke versteckt, so dass sie 1714, als die Einwohner in ihre Stadt zurückkehrten und auch die Heiligkreuzkapelle wiederaufbauten, erneut im Dachreiter des Kirchleins ihren Dienst tun konnte.
1917, während der Erste Weltkrieg tobte, sollte auch die Neuenburger Glocke im Zuge eines Erlasses des kaiserlichen Kriegsministerium eingeschmolzen werden. Dass dies nicht geschah, ist wahrscheinlich dem damaligen Bürgermeister zu verdanken, der die Glocke einfach nicht in der Bestandsaufnahme aufführte. Im Zweiten Weltkrieg wurden Neuenburg und die Kapelle zerstört, und auch die Glocke wurde beschädigt.
Doch man reparierte sie, und im Jahr 1958 schenkte die Pfarrgemeinde Maria Himmelfahrt die Glocke der Stadt, welche sie im Dachreitertürmchen des Rathauses aufhängen ließ, wo sie fortan täglich einmal läutete.

Bei Wartungsarbeiten im Neuenburger Rathaus im Jahr 2016 wurde am Glockenturm festgestellt, dass wichtige und tragende Teile des Holzgebälks morsch und somit nicht mehr statisch tragfähig sind. Damit die Glocke weiterhin ihren historischen Auftrag erfüllen kann, entstand die Idee, einen Glockenturm auf dem Vorplatz des Museums zu erstellen. Mit diesem Standort ist ein Bezug zur Historie der Stadt noch besser verankert. Mit der Planung wurde der Architekt Mario Eggen von der Siefert-Eggen Architekten GmbH beauftragt. Die von ihm geschaffene Skulptur, so Christoph Ziel, stelle „mit ihrem symbolischen Charakter die leidvolle Geschichte der Stadt dar.“

Nach der Ansprache des Bürgermeisterstellvertreters wurde die Glockenskulptur unter dem Beifall der Bürger feierlich enthüllt. Danach erläuterte Architekt Mario Eggen unter dem Motto „Zeitzeugin der vielen Schicksale“ seine Ziele bei der Ausführung des Projekts.
„Ein neuer Ort, ein Turm für die Glocke“ – so habe der Auftrag gelautet. Die Glocke sei „Denkmal und Leuchtturm der Hoffnung“.
Am Franziskanerplatz sei ein würdiger Standort gefunden worden, ein „Ort der Geschichte“. Auch habe ihn die Geschichte der Glock inspiriert.
Es sollte ein Skulptur entstehen, die den Menschen, die Zerstörung, die Vergänglichkeit, den Wiederaufbau, die Hoffnung, die Zeit und die Geschichte in sich vereine.
Der Mensch sei dabei das „Negativ“ für das Leid, aber auch das „Positiv“ für die Freude. Der Mensch fasse den Mut zum Wiederaufbau und gebe Hoffnung. Das sei dargestellt in einer Silhouette, „die sich gegen das Leid aufstemmt, aufersteht und die Last der Glock auf sich nimmt“. Das Material „Cortenstahl“ sei Symbol für die Vergänglichkeit und die Zerstörung. Es sei ein Material, das sich wandelt, dessen Oberfläche vergänglich wirkt, und das durch die Umwelt zersetzt wird.
Das Element Zeit werde symbolisiert durch die begrenzenden Elemente: Boden, Wand und Decke. Die Geschichte werde erlebbar durch das Spannungsfeld zwischen dem „Positiv“ und dem „Negativ“ des Menschen.

Zum Schluss seiner Erläuterungen richtete Eggen einen Dank an Bürgermeister Joachim Schuster und den Neuenburger Stadtrat für ihre Offenheit und ihre Entscheidung für das Kunstobjekt „Skulptur mit historischer Glocke“.
Sein Dank richtete sich auch an die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, des Bauhofs sowie an Winfried Studer als „Hüter der Geschichte Neuenburgs“. Ein weiteres Dankeschön ging an die beteiligten Handwerksfirmen sowie an Michael Moser, der die Antriebstechnik der Glocke erfunden und konstruiert hat.

Als Überleitung zum ersten Glockenschlag sprach Eggen die Bürger direkt mit den Worten an: „In Erinnerung und zum Dank an Ihre Vorfahren, aber auch als Symbol für Mut und Hoffnung, soll die Skulptur hier stehen und die historische Glocke beim Läuten unterstützen“.
Das erste Läuten funktionierte tadellos, und die Gäste honorierten diesen feierlichen Moment mit lautem Beifall. Von nun an wird die Glocke wieder jeden Tag um 16 Uhr läuten.
In Kürze soll auch ein Hinweisschild mit Informationen zu der Historie der Glocke und zur Konstruktion des neuen Glockenturms angebracht werden.
Im Anschluss an die Enthüllung der Glocke lud die Stadt die Besucher zu einem Umtrunk auf den Platz vor dem Museum ein.