Emotionaler Abschied von einer charismatischen Schulleiterin

Michaela Münch verlässt die Neuenburger Rheinschule

Ganz ohne Tränen ging die Feier zur Verabschiedung von Rektorin Michaela Münch nicht ab. Die Programmbeiträge des Kollegiums der Neuenburger Rheinschule sowie die Grußworte zeigten, dass hier eine Persönlichkeit geht, die eine große Lücke hinterlässt. In einem Sprechtheater mit verteilten Rollen skizzierten die Kollegen und Kolleginnen Szenen und Eindrücke aus dem Schulalltag.

Das Abschiedspräsent des Schulträgers überreichte Bürgermeister Joachim Schuster: Unter anderem einen Gutschein für eine Dauereintrittskarte für die Landesgartenschau 2022

Später gab es eine launige Yoga-Stunde und noch später ein auf Münch zugeschnittenes Chorstück mit dem Refrain „Viel Glück und viel Segen“. „Die Rheinschule verliert ihren Motor und ein Stück Herz“, waren sich alle einig. Konrektorin Eva Löhr bekannte, dass Michaela Münch nicht nur die Potenziale der Kinder fördere, sondern auch sie persönlich nach vorne gebracht habe: „Du hast mehr an mich geglaubt als ich selbst“, sagte sie sichtlich bewegt. Die Kinder Und was meinen die Kinder? An diesem heißen Nachmittag waren sie nicht persönlich da, sondern über eine Videocollage „zugeschaltet“, die zwei Kollegen zusammengestellt hatten. Darin ging es um so schwere Fragen wie „was macht eine Rektorin, wie alt ist Frau Münch, welche Hobbies hat sie, wie vielen Kindern hat sie schon Mathe beigebracht und anderes. Die Antworten der Kinder freuten die Gäste der Abschiedsfeier. Die Schulrätin Schulrätin Barbara Wunsch-Ramsperger ließ die berufliche Laufbahn von Münch Revue passieren, die mit dem Studium von Mathematik und Biologie mit Schwerpunkt Grundschulpädagogik begonnen hatte. Fachfremd habe Münch auch Hauswirtschaft und Nähen unterrichtet, letzteres eine Leidenschaft der scheidenden Rektorin, die für das Kollegium und besonders nahe Freunde selbst gefertigte Geschenke mitgebracht hatte. Erfahrungen habe Münch auch als Mentorin in Buggingen, als Schulleiterin in Zienken und als Konrektorin in Neuenburg gesammelt. Seit 2009 war sie dann Schulleiterin der Rheinschule, die aus der Zusammenlegung der beiden Außenstellen Steinenstadt und Grißheim mit der Zähringer-Grundschule Neuenburg entstanden ist. Wunsch-Ramsperger lobte die Professionalität von Münch, die „immer Sinn für das Machbare“ und einen großen Innovationswillen gehabt habe. Aber auch ihr ehrenamtliches Engagement bei der Rettungshundestaffel, beim Katastrophenschutz und in der Jugendarrestanstalt Müllheim zeige die große Bandbreite ihrer Kompetenzen, von der auch das Schulleiteramt profitiert habe. Das Betreuungsteam Neben dem Kollegium war auch das Betreuungsteam zur Abschiedsfeier gekommen: Die Männer und Frauen sind an der Gestaltung der außerschulischen Ganztagsangebote beteiligt. Auch sie hatten ein Sprechtheater vorbereitet, in dem sie das Engagement und die Offenheit der Schulleiterin für alle Anliegen lobten. Der Bürgermeister Mit Michaela Münch verliere Neuenburgs Schullandschaft einen Dreh- und Angelpunkt“, stellte Bürgermeister Joachim Schuster fest, der die guten Wünsche von Stadtverwaltung und Gemeinderat als Schulträger überbrachte. Er erinnerte an die „spannenden Jahre“, als durch die Neustrukturierung der Grundschulen unter dem Dach der Rheinschule die „Lebensversicherung“ der Dorfschulen in Grißheim und Steinenstadt beschlossen wurde. Viele Kinder könnten jetzt in ihrem Wohnort zur Schule gehen, das sei etwas ganz Tolles, freute sich Schuster. Obwohl es zu Beginn der Umstellung ganz unterschiedliche Wünsche gegeben habe, habe sich das Modell in all den Jahren bewährt und durch einen funktionierenden Schulalltag bewiesen. Eine weitere Herausforderung sei 2010 die Einführung der Ganztagsgrundschule gewesen, der ersten im Schulbezirk. Mit Innovation und Improvisation sei das geschafft worden und daraus resultiere ein großer Erfahrungsschatz, aus dem man heute schöpfen könne. „Die außerschulischen Betreuungsangebote sind unser ganzer Stolz“, betonte Schuster. Und immer habe Michaela Münch die Neuausrichtung unterstützt und Mut gemacht: das bekomme man hin. So sei die Rheinschule eine Vorzeigeschule geworden. Er hoffe jetzt, dass die Stelle bald besetzt werden könne, sagte der Bürgermeister. Die Kollegin aus Müllheim Barbara Dobuszewski, die geschäftsführende Schulleiterin der Müllheimer Schulen und des Regionalsprengels Müllheim-Neuenburg bedankte sich bei Münch für ihr „immerwährendes verlässliches und vertrauensvolles Da-sein“ und ihre Kollegialität. Gerade in Zeiten, in denen sich Schulpolitik, Gesellschaft und Formen der Kooperation stetig wandeln, sei das ein großes Gut. Sie dankte Münch für ihren großen Einsatz zum Wohle der ihr anvertrauten Kinder und Kolleginnen und Kollegen. Die frühere Mitstreiterin Überraschend war auch Johanna Seib, die Leiterin der Grundschule Markelfingen gekommen, die an der Seite von Münch lange Jahre des Konrektorenamt innegehabt hatte. „Ich habe so viel von dir gelernt“, bekannte sie. Münch habe ihr nicht nur vieles erklärt, sondern auch Verantwortung übertragen. Die Musikschulleiterin Für die langjährige intensive Kooperation der Rheinschule mit der Musikschule Markgräflerland bedankte sich deren Leiterin Hanna Otto. „Sie haben einiges an Land gezogen“, meinte sie mit Blick auf die verschiedenen Musikangebote, die jetzt fest in der Ganztagsschule verankert seien. Einmalig in der Regio sei die seit 2010 bestehende Streicherklasse.Abschied mit großen Emotionen Auch bei Michaela Münch ging es nicht ganz ohne Tränen, als sie sich für die vielen guten Wünsche und Geschenke bedankte, die Wertschätzung und persönliche Zuneigung ausdrückten. In ihrer langen Dankesliste, die auch den Hausmeister der Schule einschloss, nannte sie ausdrücklich auch den ehemaligen Schulleiter Gustav Günther, der sie gefördert und gefordert habe. Anspielend auf eine Weisheit aus China – wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen – dass die Rheinschule weiterhin Windmühlen baue.