Eröffnung der Julius Leber-Ausstellung

Julius Leber galt als ein überzeugter Demokrat und war zu Zeiten des Nazi-Regimes im deutschen Widerstand. Diesem Mann, der 1891 im elsässischen Biesheim geboren wurde, in Breisach und Freiburg zur Schule und dort auch studiert hatte, ist eine zweisprachige Wanderausstellung gewidmet, die im Neuenburger Rathaus gezeigt wird.
 

Ausstellungseröffnung Julius Leber
Bild: Volker Münch

Für Neuenburgs Bürgermeister Jens Fondy-Langela ist die Ausstellung, ein Interreg-Projekt, das von zahlreichen Institutionen unterstützt wurde, ein wichtiger Beitrag zur Geschichte am Oberrhein und besonders für Neuenburg, das unter den Auswirkungen des Nazi-Regimes und dem angezettelten Zweiten Weltkrieg enorm leiden musste. „Neuenburg war die erste Stadt in Deutschland, die durch einen Bombenhagel zerstört und ein Jahr vor Kriegsende erneut dem Erdboden gleichgemacht wurde“, sagte der Bürgermeister.

Dieser NS-Gewaltherrschaft stand Julius Leber als Mitglied des deutschen Widerstandes entgegen, wurde im Zuge des missglückten Attentates durch Claus von Stauffenberg, mit dem Leber befreundet war, 1944 verhaftet und vom berüchtigten „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt. Leber wurde vier Monate vor Kriegsende hingerichtet.

Doch wer war Julius Leber, abgesehen von seinem Engagement für den Widerstand? Der studierte und promovierte Nationalökonom war 1913 in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands eingetreten, war als Soldat im Ersten Weltkrieg. Von 1924 bis zur Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 gehörte Julius Leber dem Deutschen Reichstag als Abgeordneter an, war Mitglied der Bürgerschaft in seiner Wahlheimat Lübeck und arbeitete dort als Chefredakteur der Zeitung „Lübecker Volksboten“. Wegen seiner Haltung gegenüber dem Hitler-Regime wurde er zwischen 1933 und 1937 in Gefängnissen und Konzentrationslagern eingesperrt, konnte dort entfliehen und schloss sich dem Widerstand an, bis er verhaftet und hingerichtet wurde. Das waren die wichtigsten Lebensdaten, Lebers Leben war allerdings noch vielschichtiger. Auch wenn sein politisches Selbstverständnis durchaus in einigen Aspekten sehr wertekonservativ erschien, die demokratischen Grundwerte spielten für ihn immer die wichtigste Rolle. „Es sind die gemeinsamen Werte, die Julius Leber im Sinne der Demokratie verteidigte“, erklärte Bürgermeister Jens Fondy-Langela sein Motiv, sich als Kreisrat und Bürgermeister um diese Wanderausstellung geworben zu haben. „Das Thema ist heute aktueller denn je“, betonte er und verwies auf Personen, die wieder als antidemokratische Kräfte in die Gesellschaft wirkten. Es sei wichtig, sich wie Julius Leber für die demokratischen Werte einzusetzen. Und dazu gehöre auch, der Öffentlichkeit diese Ausstellung zu ermöglichen, hieß es weiter.

„Für uns ist es ein wichtiges Thema“, bestätigte auch Bantzenheims Bürgermeister und Repräsentant des elsässischen Veteranenvereins, Roland Onimus. Hier werde eine Familiengeschichte erzählt, die von den Kriegswirren und dem Einsatz Lebers als Soldat berichteten. Im Zuge des Krieges sei er von kanadischen Soldaten gerettet und von diesem Ereignis auch geprägt worden. „Heute arbeiten wir auf vielfältige Weise über unsere nationalen Grenzen hinaus zusammen“, erklärte Onimus den besonderen Wert der Aussöhnung ehemaliger Gegner. „Was unsere Großeltern erlebt haben, dürfen wir nie vergessen und müssen dies an künftige Generationen weitergeben“, betonte Roland Onimus.

Die verschiedenen Facetten von Julius Leber werden anschaulich in zweisprachigen Erläuterungen vorgestellt. Die Ausstellung ist im Erdgeschoss des Neuenburger Rathauses zu den Öffnungszeiten noch bis zum 4. November zu sehen. Vom 5. bis 8. November wird die Ausstellung zusätzlich im Neuenburger Kreisgymnasium präsentiert.