Neujahrsempfang der Stadt Neuenburg am Rhein

Neuenburgs Bürgermeister Jens Fondy-Langela zog beim traditionellen Neujahrsempfang der Stadt Bilanz, hielt Ausschau und gab zwei ungewöhnliche Versprechen. Große Sorge bereitet dem Bürgermeister die  zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft und eine Verrohung im gesellschaftlichen Umgang.

Bürgermeister Fondy-Langela bei seiner Neujahrsansprache. Foto: Volker Münch

Mit einer beeindruckenden Neujahrsrede setzte er den Fokus auf die Entwicklungen in der Gesellschaft, verwies dabei auch auf viele positive Fakten und ausreichend Gründe, die in Neuenburg am Rhein zu Optimismus führen sollten. Doch zuerst beschäftigte sich Bürgermeister Jens Fondy-Langela mit den zurückliegenden Ereignissen und den Herausforderungen für das Jahr 2026. 

Der Neujahrsempfang im Stadthaus gehört zu den großen gesellschaftlichen Ereignissen der Zähringerstadt. Entsprechend groß war die Riege der Ehrengäste, angefangen von Alt-Bürgermeister Joachim Schuster bis hin zu Repräsentanten aus Behörden, Wirtschaft, Vereinswelt und anderen Organisationen. Schon beim Eintreffen der vielen Gäste wurden sie von der Bigband des Kreisgymnasiums musikalisch empfangen, den eigentlichen Auftakt gestaltete die Orchestergemeinschaft der Neuenburger Stadtmusik und des Musikvereins Zienken.

Bigband des Kreisgymnasiums Neuenburg am Rhein. Foto: Volker Münch

Die Neujahrsrede
In seiner Neujahrsrede verwies Fondy-Langela auf das Bevölkerungswachstum Neuenburgs: „Zum Jahresende lebten 12.857 Menschen in der Stadt. Es waren 881 Personen neu in die Stadt gezogen, 777 waren weggezogen.“ Der Anteil der weiblichen Bevölkerung lag zum Jahreswechsel bei 49,6 Prozent, der der männlichen bei 50,4 Prozent. Der Anteil der ausländischen Mitbürger ist laut Bürgermeister von 17,2 auf 16,75 Prozent zurückgegangen. Stolz verwies der Bürgermeister auf das Engagement der Stadtgemeinschaft. Als Beispiele nannte er die vier Jubiläen mit dem Stadtgeburtstag (850 Jahre) und die Eingemeindungen der Ortsteile Grißheim, Steinenstadt und Zienken vor rund  50 Jahren, die ebenfalls im vergangenen Jahr gefeiert wurden. „Das Jubiläumsjahr war ein voller Erfolg“, stellte er stolz fest und sagte: „Wenn eine Stadt feiern und etwas Besonderes bewegen kann, dann ist das Neuenburg am Rhein.“ Dies zeige sich auch bei der Neuorganisation des Nepomukfestes, das die Stadt gemeinsam mit den Vereinen in kürzester Zeit auf die Beine gestellt und zum Erfolg geführt habe. „Wer noch behaupten will, wir wären gemeinsam nicht dann stark, wenn es darauf ankommt, der will es einfach aus Prinzip nicht sehen, der ignoriert bewusst den Erfolg und war ganz offensichtlich nicht auf diesem antastischen Fest!“, betonte Fondy-Langela.

Orchestergemeinschaft der Stadtmusik Neuenburg und des Musikvereins Zienken. Foto: Volker Münch

Jens Fondy-Langela verwies auch auf viele andere Ereignisse und Projekte, etwa die Gewerbeentwicklung. Als Beispiel führte er das Richtfest für das große Industriegebäude an, in das der große Versandhändler Galaxus einziehen werde und über 1000 neue Arbeitsplätze schaffen möchte. Er verwies auf die Jugendbeteiligung im Rahmen des künftigen „Gesamtörtlichen Entwicklungskonzeptes“ (GEK) und die Beteiligungsprozesse der Bürger, aus der nun eine Initiative hervorgegangen sei, die einen Bürgerverein gründen wolle. Bei einer Einwohnerversammlung am 3. Februar gehe es um die angespannten Finanzen der Stadt und um eine notwendige Haushaltskonsolidierung. Dazu sagte er nach seinem Hinweis auf die allgemeine kommunale Finanzkrise wörtlich: „Um unsere städtischen Finanzen steht es alles andere als gut.“ Es geht 2026 laut Bürgermeister auch um das neue Baugebiet „Mittlere Rieße“, um den weiteren Glasfaserausbau, um die kommunale Wärmeplanung, um die Erweiterung der Grundschule wegen des Rechtsanspruchs auf die Ganztagesbetreuung und um die künftige Nutzung des ehemaligen Pflegeheims St. Georg mitten in der Stadt, für die sich Gemeinderat und Stadtverwaltung ausreichend Zeit für eine grundsätzliche Konzeption nehmen wolle. Vieles geschehe allerdings außerhalb der Wahrnehmung durch die Bevölkerung innerhalb des Rathauses. Für dieses Engagement dankte der Bürgermeister seinem Rathausteam.

Bantzenheims Bürgermeister Roland Onimus (m.) überreichte die Gemeindemedaille an Abteilungskommandant Manuel Maas (l.) sowie Gesamtkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Neuenburg am Rhein Andreas Grozinger (r.). Foto: Volker Münch

Sorge bereitet dem Bürgermeister nicht nur die Weltpolitik, sondern die Verschärfung des Tons in der Auseinandersetzung sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft. Dazu Fondy-Langela: „Verständnis, Empathie, Vernunft, Einsicht, schlichtweg gutes Benehmen scheinen aus der Mode zu kommen. Auch die Würde des Menschen ist offensichtlich wieder antastbar.“ Seiner Ansicht nach nimmt die Polarisierung in der Gesellschaft äußerst bedenkliche Züge an. Dabei gebe es aus seiner Sicht genügend Gründe, optimistisch in die Zukunft zu blicken und sich für die Gesellschaft zu engagieren. Er verwies auf die vielen Ehrenämter bei Vereinen und Blaulichtorganisationen wie die Feuerwehr hin. Fondy-Langela wies in diesem Zusammenhang auf das Wirken der Bürgerstiftung und ihr 20-jähriges Jubiläum hin. Er nannte in seiner Rede die verstorbene Neuenburgerin Hedi Studer, die in der Schlüsselstraße erfolgreich ein Geschäft betrieben und noch zu Lebzeiten mit der Gründung einer Stiftung der Neuenburger Stadtgesellschaft etwas zurückgeben wollte. „Sie legte mit ihrer Entscheidung den Grundstein für unsere Bürgerstiftung. Ihr zu Ehren und in Anerkennung ihres Engagements trägt die kommunale Bürgerstiftung auch zusätzlich den Namen Hedi-Studer-Stiftung“, erklärte Jens Fondy-Langela. Seither sei das Stiftungskapital über Zustiftungen und Spenden stetig gewachsen, hieß es weiter. Mit einer ungewöhnlichen Idee will er die Mitbürger sowohl für das ehrenamtliche Mitwirken als auch für die Unterstützung der Bürgerstiftung, die das kulturelle Leben in der Stadt, die Umwelt, Bildungsangebote, die Jugend und den sozialen Zusammenhalt fördert, gewinnen. Aktuell soll das neue Jugendzentrum aus Stiftungsmitteln unterstützt werden, so der Bürgermeister weiter. Um das Ehrenamt und gleichzeitig die Bürgerstiftung zu fördern, kündigte er an: „Ich habe beschlossen aus meiner privaten Schatulle für jedes neue Aktivmitglied in einem unserer Vereine oder bei unserer Feuerwehr einen Euro an die Bürgerstiftung zu spenden.“ Er rief die Bürger dazu auf, es ihm gleich zu tun und selbst die Stiftung mit Spenden zu unterstützen. Als Jahresziel gab er einen Mindestbetrag von 50.000 Euro vor. Sollte der erreicht werden, so ein weiteres Versprechen des Bürgermeisters, wolle er 2027 eine Karaokeparty oder einen entsprechenden Wettbewerb im Stadthaus veranstalten und auch das erste Lied selbst singen. Wird das Ziel nicht erreicht werden, dann müssten die Vereinsvorsitzenden der zehn größten Vereine ans Mikrofon treten, kündigte er mit einem Lächeln an. In einem kurzen Film wurden die Höhepunkte des Jubiläumsjahres nochmals visualisiert.

Männergesangverein bei ihrem Auftritt. Foto: Volker Münch

Der Männergesangverein Neuenburg präsentierte nach zwei Gesangseinlagen seinen Aufruf zu einem gemischten Projektchor, der langfristig in einen gemeinsamen Verein münden soll. Dazu sind vor allen singbegeisterte Damen aufgerufen. Am Ende des offiziellen Teils schnitten Bürgermeister Jens Fondy-Langela gemeinsam mit seinen Stellvertretern, den Ortsvorstehern aus Grißheim und Steinenstadt wie auch eines Repräsentanten des Ortsteile Zienken und der Bürgermeister von Bantzenheim die Neujahrsbrezeln offiziell an.

v.l.n.r. Bürgermeisterstellvertreter Christoph Ziel, Bürgermeisterstellvertreter Ralf Brändle, Bantzenheims Bürgermeister Roland Onimus, Steinenstadts Ortsvorsteherin Beate Spingler, Grißheims Ortsvorsteher Christoph Hanisch, Bürgermeisterstellvertreterin Barbara Spinner-Burger sowie Bürgermeister Jens Fondy-Langela schnitten die Neujahrsbrezeln an. Foto: Volker Münch

Ehrungen Einzelsport und Musik
Der junge Valentin Scherle wurde Baden-Württembergischer Meister in der Disziplin Motorrad Trial, Sieger bei der Trial Challenge Südwest und beim Schwarzwald-Pokal in der Disziplin. 2026 möchte Scherle bei der Deutschen Jugendmeisterschaft fahren. Er hat erfolgreich das ADAC-Jugendabzeichen in Bronze und Silber erworben.
Daniel Hörth belegte beim Langdistanz-Triathlon im südfranzösischen Saint Cinq Lapopie den ersten Platz. Dabei legte er Strecken von 3,8 Kilometer im Schwimmen, 180 Kilometer auf dem Rennrad zurück und absolvierte am Ende noch einen 42 Kilometer-Marathon. Er verwies sogar den Weltmeister auf der Mitteldistanz auf den zweiten Platz.
Erste Plätze bei der Deutschen Meisterschaft und bei der Landesmeisterschaft belegte der Schwimmer Lars Kellermann in der Altersklasse Ü50. Er wurde Sieger im Freistil über die Distanz von 5000 Meter in der Disziplin Freiwasser bei der DM und der Landesmeisterschaft. Einen weiteren ersten Platz erreichte er ebenfallsim Freistil über 1500 Meter in der Disziplin „Lange Bahn“. Das Jugendmusikerleistungsabzeichen in Silber erspielte sich die Klarinettistin Fiona Murphy von der Trachtenkapelle Steinenstadt.

Blutspender
Die goldene Ehrennadel des DRK-Blutspendedienstes mit Eichenlaub und eingravierter Spenderzahl erhielten für 50 Spenden Sven Kunstmann und Burkhard Voß. Der dritte zu Ehrende, Olaf Braun, war nicht anwesend wurde aber genannt. Für 100 Spenden wurde Heiko Zähle mit der entsprechenden Ehrennadel ausgezeichnet.

Bürgermeister Jens Fondy-Langela (2.v.l.) ehrte beim Neujahrsempfang (v.l.n.r.) die Musikerin Fiona Murphy, den Schwimmer Lars Kellermann, den Triathlet David Hörth und den Nachwuchs-Motorradfahrer Valentin Scherle. Foto: Volker Münch

Besondere Auszeichnung
Eine ganz besondere Ehrung wurde der Neuenburger Feuerwehr zuteil. Bantzenheims Bürgermeister Roland Onimus überreichte die Gemeindemedaille seiner Gemeinde und unterstrich mit dieser Auszeichnung die Anerkennung für die hervorragende Zusammenarbeit und dauerhafte Freundschaft. „Mit unserer Zusammenarbeit schlagen wir eine Brücke der Solidarität über die Grenzen hinweg zum Schutz unserer Bürger vor Gefahren“, betonte Onimus und sagte: „Dieses gemeinsame Engagement ist ein Vorbild für Europa.“

Nennung der Mannschaftsmeister
Damenvolleyballmannschaft des TV Neuenburg: Vizemeisterschaft in der Kreisliga und Aufstieg.
Tennis Herren 60: Badischer Verbandspokalsieger.


Vereinsjubiläen
33 Jahre: Heidschnugge Zienken
50 Jahre: Kegelclub Fortuna Neuenburg
75 Jahre: Verein für Deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Grißheim
100 Jahre: Turnverein Neuenburg, Feuerwehr Steinenstadt, Fußballclub Steinenstadt, Trachtenkapelle Steinenstadt, Bücherei Steinenstadt

   

Ehrung Blutspende v.l.n.r. Sven Kunstmann, Burkhard Voß, Heiko Zähle mit Bürgermeister Jens Fondy-Langela und Vorsitzender des Neuenburger DRK-Ortsvereins Wolfgang Rozek. Foto: Volker Münch