Gekommen um zu bleiben– die Große Drüsenameise Tapinoma magnum, hat sich auch in Neuenburg am Rhein angesiedelt

Informationen zur Erkennung und Handlungsempfehlungen.
Die Große Drüsenameise kommt mittlerweile in unserer Region fast flächendeckend vor und ist in der Ausbreitung nicht mehr zu stoppen. Ihre Lebensweise, sich an trockenwarmen Standorten niederzulassen, tiefe Erdnester anzulegen und sogenannte Superkolonien zu entwickeln, verursacht mitunter Schäden an technischen Infrastrukturen und gepflasterten Gehwegen oder Plätzen. 

Tapinoma magnum
Tapinoma magnum, Foto: A. Bellersheim

Ursächlich für die Ansiedlung, der aus dem Mittelmeerraum stammenden Ameisenart, ist das Einschleppen durch Pflanzenimporte mediterraner Großgehölze. Diese werden aufgrund der Klimaveränderungen in größerer Anzahl und vermehrt ganzjährig im Freien gepflanzt. Besondere Aufmerksamkeit erlangte die Tapinoma-Ansiedlung und damit verbundene Problematik in der Stadt Kehl, wo sich die Große Drüsenameise in Stromkästen einnistete und Stromausfälle auslöste. Die wichtigste Aufgabe besteht aktuell darin, die bekannten Vorkommen zu überwachen und einzudämmen, auffällige Sandaufwürfe oder breite Ameisenstraßen (siehe Infos unten) zu analysieren, um Bauwerke und Infrastruktureinrichtungen vor einer schädigenden Besiedlung zu schützen. Dazu ist Ihre Mithilfe gefragt! Um die Verbreitung im Stadtgebiet besser überwachen zu können, bittet die Stadtverwaltung von Neuenburg am Rhein um Ihre Unterstützung. 

Wie erkenne ich Tapinoma magnum, die Große Drüsenameise?
Die Große Drüsenameise mit bloßem Auge zu erkennen, ist eine Herausforderung, jedoch gibt es viele, sehr typische Merkmale:
Farbe und Körpergröße:
• komplett glänzend schwarz gefärbt, keine bräunliche Färbung einzelner Körperteile
nicht größer als heimische Arten
Größenunterschied zwischen den Arbeiterinnen, von 2-5mm. Sind die verdächtigten Ameisen gleich groß, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine heimische Ameisenart.

Vorkommen und Verhalten
warme, sonnige und trockene Bereiche sowie sandige Böden, oft unter Pflastersteinen. Wasserdurchlässige Flächen werden kaum, oder nur in geringen Dichten besiedelt.
Starke Aktivitäten an warmen Tagen, besonders z. B. auf gepflasterten Wegen, Terrassen, Mauerkronen. Große Anzahlen von Arbeiterinnen, die sichtbare mehrspurige Ameisenstraßen bilden.
Ausströmen zahlreicher Ameisen bei Störung des Nestes.
• Auffälliger erheblicher Sandauswurf an Nesteingängen, wird in betroffenen Gebieten als „eindeutig nicht normal“ beschrieben.
Kolonien ohne erkennbare Neststruktur, unterirdische Erdnester bis 1m Tiefe - oft in Pflasterfugen, Mauerritzen oder unter Steinen.

Geruch
• Zerdrückte Tapinoma-magnum-Ameisen riechen auffällig chemisch-süßlich, ähnlich wie Aceton, Menthol oder ranzige Butter.

Größenunterschied, Ameisen-Arbeiterinnen an Zuckerlösung
Größenunterschied, Ameisen-Arbeiterinnen an Zuckerlösung, Foto: A. Höcherl

Der Tapinoma Verdachtsfall hat sich erhärtet, was nun?
Zur sicheren Bestimmung der Art melden Sie bitte den Fund über ein Meldeportal, an:https://artenkenntnis.info/de/anfragen/tapinoma-melden
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage eines Forschungsprojektes der Naturkundemuseen von Stuttgart und Karlsruhe, unter:www.naturkundemuseum-bw.de/forschung/science-blog/ameisen-alarm-tapinoma-magnum-wenn-kleine-insekten-grosse-probleme-machen

Tapinoma magnum bestätigt – wie geht es weiter?
Ein schnelles koordiniertes Vorgehen, auf öffentlichen und privaten Grundstücken, ist entscheidend für den Erfolg von Bekämpfungsmaßnahmen. Deshalb informieren Sie bitte die Stadtverwaltung Neuenburg am Rhein in jedem Fall, unter genauer Standortangabe (idealerweise GPS-Daten) per Mail: umwelt@neuenburg.de

Bekämpfungs-Maßnahmen der Gemeinde erfolgen ausschließlich im öffentlichen Verkehrsraum. Für Maßnahmen auf Privatgrundstücken sind die jeweiligen Eigentümerinnen und Eigentümer selbst in der Verantwortung.

Falls Ihr Grundstück betroffen ist, können Sie folgende Dinge tun:
• Heißwasser: thermische Behandlung ohne Einsatz von Chemikalien. Bei gut zugänglichen Bodennestern, lässt sich die Zahl der Ameisen mit dem Einsatz von Heißwasser reduzieren.
Achtung: auch Pflanzen in unmittelbarer Nähe können hierbei Schaden nehmen.
• Kieselgur, ist nur in trockenem Zustand wirksam.
Natron mit Puderzucker vermischt (Verhältnis 1:1) als Köder, schädigt nur die Ameisen-Arbeiterinnen, nicht die Königinnen.
Essig: mit Essigwasser (Verhältnis 1:1), können Ameisen, ähnlich wie mit Kräuter-Duftstoffen nur vergrämt, also kurzzeitig vertrieben werden.
Kein Abflammen: unterirdische Nester lassen sich dadurch nicht beseitigen. Es können unbeabsichtigt Brände ausgelöst werden.

Da verfügbare Insektizide bei falscher Anwendung gesundheitsschädlich sind und die Umwelt stark belasten, ist im Umgang Vorsicht geboten. Eine Bekämpfung mit Insektiziden gehört in die Hand erfahrener Schädlingsbekämpfer und kann bei Fachfirmen angefragt werden. Grundsätzlich ist eine sach- und fachgerechte Anwendung von Bekämpfungsmitteln wichtig, die den örtlichen Gegebenheiten angepasst wird. Am Haus und an räumlich begrenzten Objekten ist gegebenenfalls der punktuelle Einsatz von chemischen Mitteln zielführender, während im Freien und unwegsamen Gelände die Heißwassermethode chancenreicher ist, so die Erfahrungsberichte aus anderen Gemeinden. 

Vermeidung der Ausbreitung und Ansiedlung:
• Pflanzentöpfe und Wurzelballen vor dem Ein- und Ausbringen kontrollieren.
• Keine Topfpflanzen aus dem eigenen Garten verschenken.
• Sorgen Sie zur Kontrolle, für gute Sichtverhältnisse an Ihren technischen Infrastrukturen im Außenbereich und an Grundstücksgrenzen. In diesem Bereich Laub entfernen und Beikräuter kurzhalten.
• Kompostieren von zuckerhaltigen und eiweißreichen Lebensmitteln vermeiden.
• Grünschnitt und Wurzelballen aus dem eigenen Garten vor der Entsorgung kontrollieren, nur bei zugelassenen Stellen entsorgen.

Bekämpfungsmaßnahmen der Stadt Neuenburg am Rhein:
Die Stadt Neuenburg am Rhein bekämpft Tapinoma-Nester an den öffentlichen Verkehrswegen in der Murtener- und Rheinfeldener Straße mit der Heißwasser-Methode. Im Rahmen der bereits durchgeführten Bekämpfungsmaßnahmen, konnte ein Rückgang der befallenen Bereiche im öffentlichen Raum festgestellt werden.

Allgemeine Information zu Ameisen:
Ameisen erfüllen wichtige Funktionen im Ökosystem: sie lockern und belüften den Boden, fördern die Samenverbreitung, zersetzen organisches Material und beeinflussen durch ihre Lebensgemeinschaften mit bestimmten Arten und ihrer räuberischen Lebensweise das gesamte Nahrungsnetz. Obwohl Ameisen oft erst dann unsere Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie als Problem wahrgenommen werden, sollten wir sie nicht in die Schublade der Schädlinge stecken. Viele andere Arten sind auf Ameisen angewiesen – etwa in unserer  Region die seltene Ameisengrille oder der gefährdete Dunkle Wiesenknopfbläuling (Schmetterling). Doch auch viele Ameisenarten sind selbst bedroht, oft durch menschliche Aktivität.

Mehr Informationen dazu siehe zum Beispiel unter:
www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/ameisen/index.html
www.bfn.de/artenportraits/maculinea-nausithous
Ameisen sind also nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein unverzichtbarer Teil der Natur. Die oben genannten Informationen, Tipps und den Handlungsleitfaden finden Sie auch unter der Rubrik Leben & Wohnen /Mensch und Natur/Tiere in der Stadt/Ameisen

Lilly Nockemann
Team Baurecht und Umwelt, Friedhofsverwaltung
Tel. +49 (0) 76 31 - 791-168
liesel.nockemann@neuenburg.de

Sandauswurf an Gehweg
Sandauswurf an Gehweg, Foto: A. Höcherl
Sandauswurf
Sandauswurf, Foto: L. Nockemann,