Fulminantes Neujahrskonzert begeistert das Neuenburger Publikum

Mit einem fulminanten Neujahrskonzert im Stadthaus ließ das Orchester „Les Elles Symphoniques“ die Wellen der Begeisterung beim Publikum hochschlagen. Unter dem Motto „Von Wien bis Hollywood“ präsentierten Dirigentin Valérie Seiler und ihre Musikerinnen bekannte und beliebte Werke aus der jüngeren Musikgeschichte. Als Gesangssolistin bereicherte die renommierte französische Mezzo-Sopranistin Anaïs Yvoz die Darbietungen. Darüber hinaus hatte das rein weibliche Orchester noch einige Überraschungen auf Lager. Die Veranstaltung war praktisch ausverkauft.

Foto: Dominique Flier

Das Motto des Abends war Programm: Renommierstück aus der Wiener Johann-Strauß-Ära, Filmmusik zu Hollywood-Blockbustern und noch manch musikalisches Schmankerl sorgten für Feierstimmung bei den Besuchern. Zum Auftakt erklang das wohl bekannteste Werk von Johann Strauß Sohn: Der sinfonische Walzer „An der schönen blauen Donau“ wurde in einer eleganten und beschwingten Interpretation gespielt. Mit Humor gespickt war die rasante Darbietung von Leroy Andersens „Typewriter“ mit dem fingerfertigen „Schreibmaschinen-Solo“ von Claire Freitag. 

Es folgte der erste große Auftritt von Anaïs Yvoz. Beim Vortrag der erotischen „Habanera“ und dem leidenschaftlichen „Gipsy-Song“ aus Georges Bizets Oper „Carmen“ verzauberte sie mit ihrem warmen, kraftvollen Timbre und ihrer szenischen Performance die Hörer. Nicht weniger virtuos war ihre Interpretation des „Champagner-Liedes“ aus der Johann-Strauß-Operette „Die Fledermaus“.

Ein gelungener Coup war auch der Auftritt von Claire Freitag bei der Darbietung der schwungvollen Polka „Feuerfest“ von Joseph Strauß. Sie ist die wohl weltweit einzige Solistin am Amboss. Und ganz in der Manier einer feuerfesten Schmiedin hatte sie als Vesper eine Flasche Bier und eine Wurst mitgebracht. Das Publikum war total aus dem Häuschen angesichts dieser gelungenen Show-Einlage. Und selbstverständlich setzte Claire Freitag auch die Amboss-Schläge präzise zum Takt der Musik.

Foto: Dominique Flier

Nach der Pause setzte das Orchester seine Darbietungen mit der „Music from Gladiator“ von Hans Zimmer in einem Arrangement von John Wasson fort. Es war eine Gänsehaut-Interpretation, mit spannenden, kontrastreichen und teilweise fast schon dämonischen Akzenten. John Barrys „Dance With the Wolves“, die Filmmusik zum Hollywood-Erfolg „Der mit dem Wolf tanzt“, entführte die Hörer mit seinen dramatischen Effekten in die Welt des amerikanischen Bürgerkriegs. Die donnernden Paukenschläge und die anrührende Melodik wurden vom Orchester mit Überzeugungskraft inszeniert.

Mit ergreifendem Duktus gestaltete Anaïs Yvoz ihr Solo in dem Song „I dreamed a Dream“ aus dem Musical „Les Misérables“ von Claude Michel Schönberg. Als Kontrast zu dieser melancholischen Vokaldarbietung evozierte ihr Vortrag von „Singin‘ in the Rain“ eine fröhliche Stimmung. Diese wurde unterstrichen durch die als Requisiten aufgespannten Regenschirme und Valérie Seilers Einsatz eines Wasserspritzers, mit dem sie unbekümmert die Hörer in den ersten Reihen beglückte.

Bürgermeister Jens Fondy-Langela (r.)dankte dem Orchester und der Dirigentin Valérie Seiler (l.) sowie allen am Erfolg des Abends Beteiligten mit herzlichen Worten. Foto: Dominique Flier

Eine wundervolle Überraschung präsentierte das Orchester bei der Darbietung von Hans Zimmers Komposition „The Lion King“. Die fünfzehnjährige Gesangssolistin Julie Rohrbach schlug alle mit ihrem Solo in ihren Bann, und die Hörer machten die Magie dieses Moments mit „Handy-Sternenlicht“ komplett. Mit „Pirates of the Caribbean“ von Hans Zimmer gelang den „Elles Symphoniques“ ein großartiges Finale. Und als die Dirigentin beim „Fluch der Karibik“ einen stilechten Piratenhut à la Johnny Depp aufsetzte, erreichte die ausgelassene Stimmung im Saal einen neuen Höhepunkt. Der wurde allerdings noch übertroffen bei der Zugabe, die ganz im Stil der Wiener Philharmoniker mit dem „Radetzky-Marsch“ im wahrsten Sinne des Wortes gefeiert wurde. Die „Elles Symphoniques“ und ihre Dirigentin Valérie Seiler erbrachten an diesem Abend den Beweis, dass sie in technischem und interpretatorischem Können dem berühmten Wiener Orchester kaum nachstehen.

Bürgermeister Jens Fondy-Langela dankte dem Orchester und der Dirigentin sowie allen am Erfolg des Abends Beteiligten mit herzlichen Worten.

Bericht: Bianca Flier

  

Foto: Dominique Flier