Zukunftswerkstatt in Neuenburg am Rhein

„Heimat bewahren – Zukunft gestalten“ heißt der Arbeitstitel für das neue Stadtentwicklungskonzept für Neuenburg am Rhein. Über 50 Teilnehmende trafen sich zur Themenfindung in einer Zukunftswerkstatt im Stadthaus.

Zukunftswerkstatt
Foto: Volker Münch

Hochkonzentriert arbeiteten die teilnehmenden Bürgerinnen  und Bürger aus den Ortsteilen und der Kernstadt an Themen, die die künftige Stadtentwicklung bestimmen können. Diese Bürgerbeteiligung ist Grundvoraussetzung für das zu erarbeitende Gemeindeentwicklungskonzept (GEK). Erst mit den vielschichtigen Ergebnissen – vor ca. zwei Wochen gab es ein Jugendhearing – lässt sich ein solches Entwicklungskonzept als Grundvoraussetzung für künftige Förderprogramme wie das Landessanierungsprogramm vom Gemeinderat verabschieden. In diesem Jahr lief das bisherige Stadtentwicklungskonzept mit dem Titel „Eine Stadt geht zum Rhein“, das zum einen die Entwicklung der Projekte im Zuge der Landesgartenschau beschrieb und zum anderen durch neue Zugänge und Uferumgestaltungen die Stadt näher an den Rhein brachte, aus.

Zukunftswerkstatt
Foto: Volker Münch

Mit der 17. Zukunftswerkstatt sollen nun die drängenden Fragen zur Entwicklung der Stadt bis ins Jahr 2040 aus Sicht der Bürger*innen beantwortet werden, erklärte Bürgermeister Jens Fondy-Langela. Es geht unter anderem um das Verständnis, wie die Zähringerstadt sowohl mit der Vergangenheit, mit den Entwicklungsergebnissen in der Gegenwart als auch mit den Zielen in der Zukunft umgehen soll. Aus seiner Sicht stünde das Klima als eines der zentralen Themen auf der Agenda. „Unsere Stadt leidet mit Blick auf den Landkreis besonders unter der Hitze“, betonte der Bürgermeister, weshalb sich die Stadt um Fördermittel für den Hitzeaktionsplan aus dem Innovationsfonds der Badenova beworben habe. Aus Sicht Fondy-Langelas ist auch bezahlbarer Wohnraum, wie er zum Beispiel demnächst in Zienken auf dem Gelände des ehemaligen Kaltenbach-Hofes, das Gebiet „Zienken-Unterm Dorf II“, verwirklicht werden soll, wichtig.

All diese Maßnahmen münden laut Bürgermeister als Teile in das neue Stadtentwicklungskonzept, das bisher den Arbeitstitel „Neuenburg am Rhein 2040 – Heimat bewahren - Zukunft gestalten“ trägt – und von den Zukunftswerkstatt-Teilnehmenden ebenfalls thematisiert wurde. Eine besondere Herausforderung sieht Fondy-Langela in der angespannten Finanzsituation, denn: „Gerade wenn kein oder nur wenig Geld vorhanden ist, muss man genau hinsehen, wo die Stadt ihre Ressourcen gezielt einsetzen kann“, erklärt der Bürgermeister mit Blick auf die notwendige Stadtentwicklung. Dazu gehört auch das Ehrenamt, das bei Themen wie die „Sorgende Gemeinschaft“ eine zentrale Rolle für die Stadtentwicklung spiele.

Zukunftswerkstatt
Foto: Volker Münch

Weil die Stadt in manchen Bereichen vor einem Sanierungsstau stünde – der Bürgermeister erwähnte als Beispiel den Straßenzustandsbericht, der von einem notwendigen Aufwand in Höhe von 40 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren spricht – müsse genau überlegt werden, welche Themen in der Stadt und den Ortsteilen wichtig sind und wo Investitionen Prioritäten eingeräumt werden. 

Einen ersten Eindruck vermittelten nun die jeweils fünf wichtigsten von den Teilnehmenden erarbeiteten Ziele für die einzelnen Stadtteile und für die Gesamtstadt. Gewünscht werden für die Gesamtstadt eine kontinuierliche Verbesserung der Verkehrsanbindung der Ortsteile, eine Optimierung des Radnetzes, Anpassungen der Stadt an den Klimawandel und eine Klimaneutralität. Mit Blick auf die demografische Entwicklung wünschen sich die Bürger* innen die Gründung eines Bürgervereins im kommenden Jahr. Ganz konkret fielen die Wünsche in den Ortsteilen aus. In Zienken wünschen sich die Einwohner ein Verbot von nächtlichem Schwerlastverkehr durch das Dorf bis Ende 2026, den Baubeginn der Umgehungsstraße bis spätestens 2027 und die Gestaltung eines Dorfgemeinschaftsplatzes hinter der Kirche als generationenübergreifenden Treffpunkt – Umsetzung bis Sommer 2026. In Steinenstadt geht es um eine Optimierung der öffentlichen Begrünung, bezahlbaren Wohnraum und eine Baupolitik, die generationengerechter, sozialer und ökologischer erfolgen soll.

Auch in Steinenstadt möchte man den Ausbau der Begegnungsstätten und die Förderung des sozialen Engagements weiter vorantreiben. Ähnlich fiel das Ergebnis in Grißheim aus. Dort will man eine Begegnungsstätte bis spätestens 2030 im Pfarrhaus, eine Aktivierung der Vereinsgemeinschaft, eine bessere Versorgung im Dorf und die Errichtung eines Generationenplatzes verwirklichen. In allen Ortsteilen fiel auch der Wunsch, die „Sorgende Gemeinschaft“ angesichts des demografischen Wandels zu initiieren. In der Kernstadt fielen Schlagworte wie eine ökologische Versorgung der Bevölkerung, neue Verkehrskonzepte wie ein Bürgerbus und eine entsprechende Verkehrs-App, attraktive Naherholungsflächen, eine Gastronomie direkt am Rhein und ein zentral gelegenes Begegnungscafé. In einer
Themenwerkstatt, die am 15. November im Sitzungssaal des Rathauses stattfinden wird, sollen die Vorschläge thematisch diskutiert und priorisiert werden, erklärte Dr. Thomas Uhlendahl.