Leidenschaft für die Stadtgeschichte

Judith Wörner als Stadt- und Museumsführerin in Neuenburg am Rhein verabschiedet

Dr. Judith Wörner (links) bei ihrer Verabschiedung mit Stadtarchivarin SabineHaberstroh (rechts)

Nach langjähriger Tätigkeit als Stadt- und Museumsführerin in Neuenburg am Rhein wurde Judith Wörner jetzt verabschiedet. Simone Kern, Leiterin des Museums für Stadtgeschichte, und Stadtarchivarin Sabine Haberstroh dankten Wörner mit einem Präsent für ihre zahllosen begeisternden und kenntnisreichen Führungen, die den Besucherinnen und Besuchern der Stadt, aber auch den Einheimischen die spannende Geschichte von Neuenburg am Rhein lebendig nahegebracht haben.

In welchem Jahr genau sie mit den Führungen begonnen hat, weiß Judith Wörner nicht mehr. „In jedem Fall habe ich mehr als dreißig Jahre lang Stadt- und Museumsführungen gemacht.“ Ihr 2002 verstorbener Mann Hans Jakob Wörner war Kunsthistoriker und arbeitete für das Landesamt für Denkmalpflege. Über ihn kam sie mit dem damaligen Neuenburger Hauptamtsleiter und Stadthistoriker Winfried Studer in Kontakt, der auf der Suche nach weiteren Stadtführerinnen und -führern war und Judith Wörner schnell für das Thema begeistern konnte. Mit Forschungsliteratur zur Stadtgeschichte ausgerüstet und unterstützt von Studer, erarbeitete sich die promovierte Germanistin und leidenschaftliche Lehrerin ihre Stadt- und Museumsführung.

Seither hat sie ihr Wissen über die Stadtgeschichte laufend erweitert und ist darüber auch in Neuenburg am Rhein heimisch geworden. „Mein Mann und ich konnten uns in Freiburg, wo er arbeitete, kein Haus leisten. Als wir hierherkamen, haben alle unsere Freunde uns bemitleidet, weil wir in die Provinz ziehen“, sagt sie lachend. „Tatsächlich haben wir das aber nie bereut, sondern sind hier immer sehr glücklich gewesen.“ Besonders am Herzen liegen der gläubigen Katholikin die nach dem Zweiten Weltkrieg als sechste Kirche an diesem Standort wieder aufgebaute Maria-Himmelfahrts-Kirche und die Heilig-Kreuz-Kapelle, die sie als das „Schatzkästlein Neuenburgs“ bezeichnet.

Einige Begebenheiten aus ihrer Zeit als Stadtführerin sind Judith Wörner besonders im Gedächtnis geblieben. Einmal kam zu ihrer öffentlichen Führung – damals noch am Sonntagvormittag – nur eine einzelne Dame. „Das war eine polnische Lastwagenfahrerin, die aber gut Deutsch sprach. Als ich sie fragte, wie sie hierherkäme, sagte sie, dass sie jeden Sonntag, wenn sie nicht fahren müsse, das Museum in einer anderen größeren Stadt besuche. Die hatte sich ein unheimlich großes Wissen angeeignet.“ Ein anderes Mal stieß ein junger Amerikaner bei ihrer Führung durch das Museum für Stadtgeschichte auf die Wurzeln seiner Familie, die im 19. Jahrhundert von Neuenburg am Rhein in die USA ausgewandert war. „Das war schon sehr bewegend.“ 

Ihre letzte Führung hat Judith Wörner im vergangenen September gehalten, bei dem Familientreffen einer Grißheimer Familie, die mit Begeisterung bei der Sache war. Langweilig wird es Judith Wörner aber auch in ihrem „Ruhestand“ als Stadtführerin nicht werden. Drei Kinder, elf Enkelkinder, Haus und Garten, ausgedehnte Spaziergänge und ihr ehrenamtliches Engagement als Vorleserin von Märchen, die von ihr mit Stabpuppen in Szene gesetzt werden, im Seniorenzentrum Edith-Stein-Haus halten die literatur- und geschichtsbegeisterte Rentnerin weiterhin auf Trab.

Weitere Informationen bei:

Sabine Haberstroh 
Stadtarchiv 
Tel. +49 (0) 76 31-791-141 
Fax +49 (0) 76 31-791-222 
sabine.haberstroh@neuenburg.de

Simone Kern
Museum für Stadtgeschichte
Tel. +49 (0) 76 31-791-284
Fax +49 (0) 76 31-791-222
simone.kern@neuenburg.de