Narrensuppe 2026

Die 33. Neuenburger Narrensuppe schreibt nicht nur wegen eines hochkarätigen Programms Geschichte, sondern ist auch eine Zäsur für die Stadt und die Narren: Die Gastrofamilie Waidele war letztmals Gastgeber für die Narrenschar.

Die Moderatoren der Narrensuppe: Daniela Klingenmaier und Lars Schuh

Bei aller Ausgelassenheit der Gäste bei der städtischen Narrensuppe im Gasthof Krone in Neuenburg am Rhein lag doch ein bisschen Wehmut in der Luft des großen Gastraumes. Mit der Narrensuppe in ihrer 33. Auflage verabschiedeten sich Elisabeth und Stefan Waidele von den Neuenburger Narren – allerdings nicht ohne Geschenke und herzlichen Dankesworten sowohl von den Fasnächtlern, allen voran Rhiischnooge-Oberzunftmeister Tobias Anlicker, als auch von Bürgermeister Jens Fondy-Langela. Doch ganz Schluss wird es vermutlich dann doch nicht sein, denn: „Wir arbeiten daran, dass unsere Nachfolger in die Presche springen werden“, kündigten Stefan Waidele und seine Ehefrau Elisabeth auf der kleinen Bühne im Kronensaal an. Und da gab es nach eigenen Worten bereits den bisherigen Inhabern gegenüber deutliche Zeichen des künftigen Pächters, die Fasnachtsveranstaltungen, also Narrensuppe, Schmutzige Dunschdig und am Umzugssonntag für einen entsprechenden Rahmen sorgen zu wollen.

Bürgermeister Jens Fondy-Langela als „Mc Fondy aus Langela“ im Schottenrockin der Bütt

Zurück zum Programm der städtischen Narrensuppe, die längst eine Institution im fasnächtlichen Stadtleben ist. Schon die Musiker der „Blech-Chaoten“ sorgten mit ihrem kräftigen rhythmischen Sound für Stimmung. Passend zur finanziellen Schieflage der Zähringerstadt stieg der Bürgermeister Jens Fondy-Langela als „Mc Fondy aus Langela“ im Schottenrock – er verriet übrigens nicht, ob er etwas darunter anhatte – in die Bütt und trug eine geschliffene Rede vor, die nicht nur die städtische Fast-Pleite streifte, sondern auch die gastronomische Zäsur in der Krone thematisierte. Der Kilt und das Schotten-Dasein passen nach den Worten des Bürgermeisters bestens zum Thema, denn: „Wir müssen sparen, sparen, sparen.“ Und: Er sei lieber ein Schotte, denn das Dasein als Schwabe verbiete sein Badener-Stolz. Übrigens: „Den Schwaben (gemeint war Amtsvorgänger Joachim Schuster) hatten wir schon und der war uns lieb und teuer“, erzählte der Vogt mit Blick auf teure Investitionen wie das Parkhaus und zündete damit beim Publikum eine ordentliche Lachsalve. Trotz der Geldkrise wolle sich die Stadt manches leisten wie das Nepomukfest, „in der tollen Zusammenarbeit mit den Vereinen!“ Es ging natürlich nicht ohne Seitenhieb auf Müllheim, das unter anderem die krisengebeutelte Zähringerstadt an den Sanierungskosten ihrer Realschule beteiligen will. „Zur Güte ein Vorschlag, den solltet Ihr dulden: – wir schenken aus Freundschaft euch gern unsere Schulden“, bot Fondy-Langela zur Güte an. Das Publikum tobte. Er empfahl bei der Bewältigung der Finanzkrise Optimismus, denn: „Geschichtsbücher erzähl’n von Siegen, denn wir sind niemals kleinzukriegen“. Für das Parkhaus hofft er auf einen lebhaften Tourismus am Wuhrlochufer, dann wäre das Parkhaus permanent voll.

Gesangstruppe „Clownerie“ der Breisgauer Narrenzünfte aus Freiburg

Einen ausgezeichneten Vortrag, der viel Lokalkolorit samt Seitenhieben auf die künftige große Kreisstadt und die Diskussion um den Gemeindeverwaltungsverband und das Doppelmittelzentrum enthielt, hatte Rhiischnooge-Oberzunftmeister Tobias Anlicker. Seine Interpretation sorgte entsprechend für viele Lacher, denn: „Ohne uns geht in Mülle halt nix!“ Auch er übt sich in positiven „patriotischen“ Worten: „Trotz großem Loch in der Kasse isch Neueburg ein liebenswertes Städtli mit Klasse.“ Klamauk mit geschliffenen Reimen zum Thema eigener Körperfülle verbreitete Martina Binger von der Freiburger Zunft Westhansele in der Bütt. Interessant, was die Rednerin, oder besser gesagt ihr Ehemann, unter Ernährungsumstellung versteht – der Göttergatte hatte einfach den Vorratsschrank ins Wohnzimmer und den Kühlschrank ins Schlafzimmer umgestellt. Tosender Applaus war der Lohn für diese Büttenrede. Die beiden „Putzfrauen“ Beate Berger und Beate Sänger von Frauen-Freizeit-Pur zogen lokale Ereignisse, die Sehnsucht nach den legendären 80er Jahre als auch die Bundespolitik durch den Kakao. Auch die KI war Thema: „Anstatt KI einzuführen, hätte man besser zuerst die natürliche Intelligenz stabilisieren sollen!“ Einen musikalisch mehr als gelungenen Streifzug durch viele Themen unternahmen die Sänger der Clownerie der Breisgauer Narrenzünfte, die seit vielen Jahren zu den Höhepunkten der Narrensuppe zählen und erst nach einer Zugabe die Bühne verlassen durften. Über den Elektro-Tesla machten sich die beiden Schauspieler des elsässischen Theaters aus Lutterbach in einem urkomischen Zwiegespräch in bestem elsässischem Dialekt lustig. Dabei ging es um aberwitzige Stromverbräuche allein durch Scheibenwischer, Blinker und andere kleine technische Finessen. Bevor die gewohnt feine, dieses Mal aber bereits von den Waidele-Nachfolgern zubereitete Nudelsuppe und die Fasnachtsscherben auf den Tisch kamen, dankten die beiden Moderatoren Daniela Klingenmaier und Lars Schuh den scheidenden Wirtsleuten und überraschten sie mit einer Bilderpräsentation aus den vergangenen 33 Jahren.

Bürgermeister Jens Fondy-Langela (l.) überreicht ein Dankesgeschenk an Elisabeth und Stefan Waidele