Frühlingserwachen auf naturnahen Flächen in Neuenburg am Rhein
Wilde Frühblüher sichern Nahrung für die ersten Wildbienen
Noch wirkt vieles grau und winterlich, doch auf einigen naturnah gestalteten und „Natur nah dran“-Flächen, sowie in vielen Gärten zeigen sich bereits die ersten Farbtupfer, die den Frühling einläuten. Die frühen Blühpflanzen sind nicht nur schön anzusehen. Sie sind überlebenswichtig für die ersten Insekten des Jahres, die sich ab Mitte Februar auf die Suche nach Nektar und Pollen machen. Hummelköniginnen zählen zu den auffälligsten Frühstarterinnen. Deutlich größer als ihre später schlüpfenden Arbeiterinnen sind die Königinnen schon früh im Jahr auf der Suche nach Nahrung und geeigneten Nistplätzen. Nach dem Winter benötigen sie nun dringend Nektar und Pollen, um genügend Kraft für die Gründung eines neuen Volkes zu sammeln. Neben ihnen sind auch Mauerbienen und andere Wildbienenarten früh im Jahr aktiv.
Wildformen von Tulpe, Krokus und Co. besonders wertvoll
Damit Frühblüher zum Nahrungsangebot der Insekten beitragen, dürfen sie nicht zu stark züchterisch verändert sein. Gefüllte Blüten oder eine unnatürliche Farbgebung führen häufig dazu, dass Blütenbesucher nicht an den begehrten Pollen gelangen oder die Blüte gar nicht erst als potenzielle Nahrungsquelle erkennen.
Im Rahmen des NABU-Projekts „Natur nah dran“ hat die Stadt Neuenburg am Rhein an fünf Orten im Siedlungsgebiet naturnahe Flächen angelegt. Die Flächen am Bahnhof, Müllheimer - und Breisacher Straße und der Kreisverkehrsanlage in Richtung Zienken erwachen nach und nach aus ihrer Winterruhe und beherbergen eine Vielzahl von Wildpflanzen, darunter auch einzelne Frühblüher. Hier können Bürgerinnen und Bürger entdecken, welche Arten jetzt schon blühen – und dabei Spannendes über ihre besondere Rolle im Naturhaushalt erfahren.
Diese Frühblüher blühen jetzt und einige davon auf den „Natur nah dran“-Flächen:
Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) blühen weiß von Februar bis März. Ihre Blüten sind so konstruiert, dass sie Nektar und Pollen auch bei kühlem Wetter geschützt anbieten – eine wichtige Anpassung an die frühe Blütezeit.
Winterlinge (Eranthis hyemalis) blühen von Januar bis März und gehören damit zu den allerersten Blühpflanzen. Ihre offenen, schalenförmigen gelben Blüten sind gut zugänglich und werden von zahlreichen Wildbienenarten besucht, darunter auch die gut erkennbare Blauschwarze Holzbiene.
Elfen-Krokus (Crocus tommasinianus) blüht meist violett von Februar bis April und lässt sich auch von Schnee nicht abhalten. An ihm erfreuen sich im Wuhrlochpark nicht nur frühfliegende Insekten – auch Eichhörnchen schätzen ihn sehr: Sie graben die nährstoffreichen Knollen aus dem Boden, um ihre Energiereserven in nahrungsarmen Zeiten aufzustocken.
Buschwindröschen (Anemone ranunculoides) blühen weiß von März bis Mai. Man kennt sie vor allem aus Wäldern und Waldrandlagen, wo sie in großen Teppichen auftreten. Deswegen eignen sie sich gut zur Unterpflanzung von Bäumen und Sträuchern. Sie bieten Nahrung für 18 Wildbienenarten, drei Schmetterlingsarten und sechs Schwebfliegenarten und sind damit eine besonders wertvolle Insektenpflanze. Kleine Traubenhyazinthe (Muscari botryoides) blüht blau von April bis Mai. Die nach unten geöffneten Glöckchen schützen das Innere der Blüten vor Feuchtigkeit. Außerdem haben sie eine spezielle Ausbreitungsstrategie: Fallen Regentropfen auf die Glöckchen oder werden sie vom Wind in Bewegung versetzt, werden die Samen herausgeschleudert und mit dem Wasser weitertransportiert.
Dolden-Milchstern (Ornithogalum umbellatum) ist eine weiße, einheimische Art, die von April bis Mai blüht. Er erscheint oft in größeren Beständen, in Neuenburg am Rhein z. B. an Straßenbanketten entlang der L 134. Der Dolden-Milchstern öffnet seine sternförmigen Blüten nur bei Sonnenschein – meist erst gegen späten Vormittag. Daher wird er im Französischen auch „Elf-Uhr-Dame“ genannt.
Hintergrund
Neuenburg am Rhein wurde 2020 im Projekt „Natur nah dran“ gefördert. Die Förderung umfasst neben finanzieller Unterstützung unter anderem Schulungen für kommunale Mitarbeitende. Das Kooperationsprojekt „Natur nah dran“ von NABU und dem Land Baden-Württemberg wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Ziel ist es, Städte und Gemeinden dabei zu unterstützen, Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten. Bis 2027 werden jährlich 15 Städte und Gemeinden gefördert. Seit 2016 wandelten 121 Kommunen bereits über 290.000 Quadratmeter naturnah um.
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter: www.Naturnahdran.de
Thematische Webinar-Reihe
Frühblüher gedeihen nicht nur auf öffentlichen Flächen, sondern sind auch eine ökologische Bereicherung für den Privatgarten. Wer im eigenen Garten die Artenvielfalt unterstützen möchte, kann sich in der achtteiligen NABU-Webinar-Reihe „Ein Jahr im Naturgarten“ informieren. Der Einstieg ist zu jedem Termin möglich. Kostenfreie Anmeldung unter www.MenschNatur.org/webinar
Weitere Informationen bei:
Lilly Nockemann
Team Baurecht und Umwelt,
Friedhofsverwaltung
Tel. +49 (0) 76 31 - 791-168
liesel.nockemann@neuenburg.de


