Aus dem Gemeinderat…

Vorstellung der Machbarkeitsstudie des Hallenbads und Entscheidung über das weitere Vorgehen

Der Neuenburger Gemeinderat beschloss einstimmig, mit Sofortmaßnahmen die Statik des maroden Hallenbades für einen vorläufigen Badebetrieb zu stabilisieren. Eine Kundgebung von rund 500 Teilnehmenden ging der Ratssitzung voraus.
 
Seit Monaten sorgen sich viele Badegäste, darunter die DLRG, die Schulen und die Schwimmsportvereine um die Zukunft des einzigen Hallenbades zwischen Bad Krozingen und Weil am Rhein. Gerade mit Blick auf die vielen Todesfälle an Seen und Flüssen, bei denen oft die mangelnde Schwimmausbildung als traurige Ursache festgestellt wurde, war besonders für die Rettungsschwimmer der DLRG-Ortsgruppe Müllheim-Neuenburg Motivation, zusammen mit den Schwimmvereinen eine Kundgebung und zuvor eine Online-Petition, bei der bereits 6200 Unterstützer unterzeichnet haben, zu initiieren.
 
Massive Schäden vorgestellt
Vor Ort führten Bürgermeister Jens Fondy-Langela und seine Mitarbeiterin Silke Gilbert, Teamleiterin beim städtischen Hochbau, durch die Katakomben des Hallenbades, wo die Schäden nach rund 50 Jahren Badebetrieb frappierend sind und zu einer sofortigen Schließung des Hallenbades führten.
Abgeplatzte Fliesen in den beiden Wasserbecken gehören da noch zu den kleinsten Problemen. Vor allen Dingen die Tragwerkskonstruktion zeigt Korrosionsschäden innerhalb der Stahlbetonstützen, die sowohl die Zwischendecke mit den Beckenkonstruktionen als auch die Glasfassade samt Dach tragen. „Die Schäden sind genau an den Pfeilern, die vom Dach bis ins Untergeschoss in ein sogenanntes Köcherfundament führen“, erklärt Silke Gilbert vor Ort. Die Bewehrungsverbindungen von der Beckenkonstruktion schließt direkt an die Pfeiler an – und genau dort sorgt der Rostvorgang innerhalb der Stahlkonstruktion für schwere Schäden. Ursache: Über den sogenannten Beckenkopf, er verbindet die Beckenkonstruktion mit Zwischendecke und Pfeiler, drang mit Chlor versetztes Badewasser ein. Bricht die Konstruktion, dann fällt di Konstruktion wie ein Kartenhaus zusammen, so die Diagnose des Planungsbüros, das als Gutachter den Zustand untersucht hatte und vor kurzem das Ergebnis der Stadtverwaltung vorstellte. Da nehmen sich die Schäden in den Duschen schon fast harmlos aus. Viele Armaturen sind undicht, es tropft aus allen Teilen und die Temperaturregelung beim Duschen funktioniere ebenfalls nicht. Folge: Entweder es prasselt kaltes Wasser oder richtig heißes Wasser auf die Haut der Badegäste. Auch hier besteht laut Gilbert großer Handlungsbedarf. „Wir wollen das Hallenbad in jedem Fall irgendwie erhalten und schnellstmöglich wieder öffnen“, kündigte Bürgermeister Fondy-Langela an. Das wurde auch bei der anschließenden Kundgebung von rund 500 Hallenbadnutzern und der darauffolgenden Gemeinderatssitzung deutlich.
 
Die Ausgangslage
Große Schäden am Tragwerk, also an allen tragenden Bauteilen, angefangen von den Säulen entlang der Fensterfront und in anderen Bereichen des Hallenbades einschließlich der Becken und deren Lager, stellen die Zukunft des Hallenbades aus dem Jahr 1974 in Frage. Die Bauexperten gehen von Schäden an etwa 79 Prozent der untersuchten Bauteile. Bei einer Generalsanierung im Bestand könnte die Lebensdauer um mindestens 30 Jahre – eine fachgerechte Instandsetzung vorausgesetzt – verlängert werden. Die Sofortmaßnahmen reichen für eine Betriebsverlängerung von maximal fünf Jahren. Neben diesen Arbeiten müsste in viele andere Bereiche bei einer Generalsanierung eingegriffen werden. Die Experten sagen deutlich, mit einer solchen Sanierung könnten aber auch Schäden unentdeckt bleiben – es geht am Ende auch um eine Risikoabwägung des Gemeinderates zwischen Generalsanierung und Neubau. Eine Sanierung in mehreren Abschnitten lässt sich nach Überzeugung der Experten nicht realisieren. Ein Neubau würde nach den aktuellen energetischen Vorgaben realisiert und am Ende der Stadt im Betrieb Kosten sparen.
 
Die Kundgebung
Bei der Kundgebung vor dem Rathaus und später vor dem Stadthaus, wohin die Ratssitzung wegen der zu erwartenden Zuschauerzahl verlegt wurde, machte DLRG-Vorsitzender Alexander Schropp deutlich, dass das Hallenbad möglichst bald wieder geöffnet werden muss. Die Zahlen, die Schropp vorstellte, erschrecken: „Jedes fünfte Grundschulkind kann nicht oder nur schlecht schwimmen. Für uns heißt das, jedes Jahr ohne Hallenbad ist ein Jahrgang on Kindern, die das Schwimmen nicht lernen“, betonte Schropp. Deshalb forderte er den Gemeinderat auf, dem auf fünf Jahre ausgelegten Provisorium, mit dem sich die Stadt für weitreichende Entscheidungen angesichts der Geldknappheit Luft verschaffen könnte, grünes Licht zu geben. Schropp forderte unter dem Beifall vieler Protestierender aus der ganzen Region, dass sich die Nachbarkommunen bei diesem Kraftakt der Stadt Neuenburg einbringen sollen, schließlich nutzten deren Schulen und Vereine ebenfalls dieses Hallenbad – vermutlich ohne Alternative.
 
Gemeinderat für Sofortmaßnahmen
In der Ratssitzung machte eingangs Bürgermeister Jens Fondy-Langela deutlich, dass der Gemeinderat trotz der Haushaltskonsolidierung eine Schließung des Hallenbades ablehne. Dass es aus der Mitte der Bevölkerung dazu große Unterstützung gebe, sieht Fondy-Langela als ein wichtiges Signal an die Regierungen in Stuttgart und Berlin. Aus der Bundeshauptstadt erreichte die von der Finanznot gebeutelte Zähringerstadt eine Absage für die Beteiligung an dem mehrfach überzeichneten Förderprogramm für Schwimmbäder. „Es fehlt offensichtlich an den notwendigen Beziehungen und Netzwerk zu den Bundespolitikern“, vermutete später der Experte des untersuchenden Planungsbüros ip21, Dietmar King.
Gleich vorweg: Nach der ausführlichen Vorstellung sowohl der Machbarkeitsstudie mit Blick auf eine Grundsanierung oder wahlweise eines Neubaus entschied der Gemeinderat, die Sofortmaßnahmen bereits im Oktober und November umzusetzen, damit das Hallenbad noch in diesem Jahr wieder öffnen kann. Es wurde allerdings deutlich, dass der zuständige Tragwerksplaner mit der Umsetzung der notwendigsten Reparaturen die Laufzeit auf maximal fünf Jahre verlängert werden können. „Bis dahin sollten Sie entsprechende Beschlüsse fassen, ob sie das Hallenbad sanieren oder neu bauen wollen“, betonte King. Tatsächlich, das zeigte die Machbarkeitsstudie, würden die Grundsanierung – es bleiben trotz intensivster Arbeiten ein Restrisiko für nicht entdeckte Mängel – fast genauso viel kosten wie ein Neubau, vorausgesetzt die Stadt kann einen entsprechenden neuen Standort – nach den Vorstellungen des Bürgermeisters idealerweise wieder nahe des Schulstandortes – finden. Die Kosten belaufen sich für beide Varianten heute bei einem Nettopreis etwa 17 Millionen Euro (Generalsanierung) und etwa 17,4 Millionen Euro für einen Neubau – bei einer Fortschreibung der Kostenentwicklung würden es, so King, etwa eine Millionen Euro teurer werden.
Bei der Sanierung kämen spezielle Maschinen zum Einsatz, die mit etwa 2000 bis 3000 bar Druck beschädigte Betonteile abtragen und die Baustahlteile freilegen. Dann erfolgt das Verschließen und Auffüllen abgetragener Betonteile durch Rüttelbeton für querliegende Bauteile und einem speziellen Spritzbeton für senkrecht verlaufende Teile wie die Pfeiler. Danach werden die Flächen gegen neue Korrosionsgefahren beschichtet. Alleine die Kosten werden auf knapp eine Millionen Euro brutto kalkuliert.
 
Nachbarkommunen einbeziehen
Für die provisorische Ertüchtigung hat die bei der Verwaltung zuständige Teamleiterin Silke Gilbert etwa 120.000 Euro veranschlagt. Dafür werden mit Diagonalstützen vier der bestehenden Pfeiler abgefangen und mit einem Kreuzverbund stabilisiert. In dem Preis sind auch die Ertüchtigung der Duschen und einige andere dringend notwendige Arbeiten enthalten. Das damit erzeugte Zeitfenster für weitere Entscheidungen sei aber schnell ausgereizt, ordnete King vom Planungsbüro ein. Sowohl Grundsanierung als auch Neubau bedürfen bis zur Fertigstellung für Planung und Bauarbeiten gut vier Jahre, die Dauer für eine Entscheidung und einer Ausschreibung der Arbeiten seien da noch nicht berücksichtigt. Die Verwaltung will anhand der aktuellen Informationslage nun rasch die Grundlage für weitere Entscheidungen schaffen, versprach der Bürgermeister. Dazu sollen auch weitere Fördermöglichkeiten durch Bund und Land ausgelotet werden. Dann sollen auch zügig Gespräche mit den Nachbargemeinden mit Blick auf eine Kostenbeteiligung erfolgen, erklärte Fondy-Langela, schließlich könne die Stadt das Projekt, von dem der Schwimmunterricht und der Vereinssport anderer Kommunen ebenfalls abhängt, nicht alleine stemmen. Der Bürgermeister brachte auch als eine alternative Lösung die Gründung eines Zweckverbandes in Gespräch, über dessen Ausgestaltung aber diskutiert werden müsse.
 
Nutzergruppen und Kosten
Das Neuenburger Hallenbad wird nicht nur von Schulen aus der Zähringerstadt, sondern auch von Schulen aus den Nachbargemeinden wie Müllheim, Auggen und Buggingen genutzt, Außerdem belegen Vereine wie der Turnverein Neuenburg, die DLRG-Ortsgruppe Müllheim/Neuenburg, der Triathlon-Verein Heitersheim und der TuS Badenweiler die Anlage fürs Schwimmtraining. Die Deutsch-Französische Brigade und die Regio-Volkshochschule nutzen die Schwimmstätte wie auch viele private Badegäste, die zum Teil Angebote wie das Früh- oder Seniorenschwimmen wie auch Angebote für Eltern und Kinder nachfragen. In einer Darstellung hatte die Stadtverwaltung die entsprechenden Einnahmen durch die Eintrittsentgelte aufgelistet. Dass das Hallenbad besonders teuer im Betrieb und Unterhalt ist, zeigen die Vergleiche der Ausgaben und Einnahmen im Jahresvergleich zwischen 2022 und 2025. Die Einnahmen schwanken zwischen rund 120.000 Euro – nur 2022 war es wegen der Auswirkungen der zu Ende gegangenen Corona-Pandemie rund 20.000 Euro weniger – und knapp 112.500 Euro im vergangenen Jahr. Die Ausgaben steigen nach der statistischen Auswertung von 404.172 Euro im Jahr 2022 kontinuierlich auf zuletzt rund 593.000 Euro (2025). Würde die Stadt das daraus resultierende Defizit nicht tragen wollen, dann entstünde für den einzelnen Badegast (Erwachsene) ein Eintrittspreis von anstatt heute 4,50 Euro (subventioniert) ein Betrag von – theoretisch nach einer Vollkostenrechnung – 40,43 Euro. Übrigens: Für Kinder würde der kalkulierte Preis dann bei 24 Euro liegen.

Bericht und Fotos: Volker Münch