Fridolinskerze
Der Brauch, jedes Jahr am Fridolinstag, dem 6. März, eine Kerze für das Fridolinsmünster in Bad Säckingen zu stiften, geht auf ein Gelübde der Neuenburger Bürger aus dem 17. Jahrhundert zurück. In diesem Jahr hat die in Kanada lebende Familie von Gerhard Otto Kappeler, die ihre Wurzeln in der Zähringerstadt hat, die Kerze gestiftet. Diese wurde im Rahmen einer feierlichen Liturgie von Pfarrer Peter Nicola geweiht und von Gerhard Otto Kappelers Sohn Daniel Otto angezündet. Sie wird nun jeden Sonntag für die Zeit der Messe zu Ehren des Heiligen Fridolin brennen.
Begleitet zur Kerzenweihe wurde Daniel O. Kappeler von einer Delegation Neuenburger Bürgerinnen und Bürger, zu der auch Winfried Studer zählt, der das Ganze organisiert hat. Studer war es auch, der den Brauch der Kerzenweihe wieder eingeführt hat, nachdem er im 18. Jahrhundert in Vergessenheit geraten war. Für Familie Kappeler geht damit der seit Jahren gehegte Wunsch in Erfüllung, eine Fridolinskerze zu stiften.
Die Hintergrundgeschichte ist spannend und zugleich bewegend. Gerhard Otto „Dick“ Kappeler wurde 1938 geboren und ist in der Nachkriegszeit in der „Barackensiedlung“ in Neuenburg am Rhein aufgewachsen. Als junger Mann wurde er Maurermeister und brach 1956 im Alter von achtzehn Jahren nach Kanada „in die Neue Welt“ auf. Durch harte Arbeit und Mut – zwei seiner Lieblingswörter – wurde er dort sehr erfolgreich und begann, gemeinsam mit seiner Frau Wanda das Unternehmen aufzubauen, das als die „Kappeler Family Group of Companies“ bekannt werden sollte.
Der erfolgreiche Unternehmer und seine Frau bekamen drei Söhne: Gary (Gerhard), der älteste, lebt in Ontario und führt die Familientradition fort. Gemeinsam mit seinen Söhnen Cole, Chase und Paige leitet er das dynamische Bauunternehmen. Daniel Otto „Dan“ Kappeler ist ebenfalls beruflich in das Familienunternehmen eingebunden. Robert, der jüngste der Kappeler- Söhne, ist ein etablierter Architekt und Baumeister und lebt in der Bergregion British Columbia.
Gerhard Otto Kappeler ist mittlerweile achtundachtzig Jahre alt und immer noch sehr fit. Er ist stolz auf sein deutsches Erbe, als gläubiger Christ aber auch dankbar für die Möglichkeiten, welche die neue Heimat in Kanada ihm und seiner Familie geboten hat. Nach dem Tod von Wanda hat er eine neue Lebensgefährtin gefunden, mit welcher er seinen wohlverdienten Ruhestand genießt.
Die Kerze ist laut Daniel O. Kappeler eine „einfache Geste des Dankes“. Die Inschrift auf der Kerze lautet: „Das Licht der Hoffnung brennt ewig. Gewidmet von der Familie Kappeler für Wanda“. Das Prinzip der Hoffnung, so Familie Kappeler, ist heute noch genauso gültig wie im Jahr 1627, als die Neuenburger Bürger den Heiligen Fridolin zum Stadtpatron ernannten. Er sollte die Zähringerstadt vor den Hochwassern schützen, mit denen der Rhein immer wieder drohte.
Die Ursprünge des Familiennamens Kappeler stammen aus dem Gebiet Südtirol. Die Schreibweise geht auf den Begriff „Kapelle“ zurück. Ursprünglich war damit „Bewohner nahe der Kirche“ oder sinnbildlich „Verteidiger des Glaubens“ gemeint, wie einige Hinweise aus dem 14. und 15. Jahrhundert belegen. Eingearbeitet in die aufwendig gestaltete große Kerze sind auch das Familienwappen der Kappelers und die Jahreszahl 1627.
