Jugendhearing im Rathaus

Wie soll sich Neuenburg am Rhein aus Sicht der Jugend künftig entwickeln? Was fehlt? Antworten auf solche und viele andere Fragen erarbeiteten knapp 50 Jugendliche beim Jugendhearing im Rathaus – mit interessanten Ergebnissen. Das Jugendhearing ist ein Aspekt der Bürgerbeteiligung im Rahmen der Erarbeitung eines Gemeindeentwicklungskonzeptes, das der künftigen Entwicklung der Zähringerstadt als Grundlage dient und vor allen Dingen den Weg freimacht, um an Landeszuschüsse für die Stadtentwicklung zu kommen. 

Jugenhearing
Foto: Volker Münch

In Neuenburg am Rhein setzte man aber auch schon früher auf die Beteiligung der städtischen Jugend. Bereits vor zwei Jahren fand ein solches Hearing im Stadthaus statt. Damals waren es etwa 80 Jugendliche verschiedener Altersgruppen, mit denen Jugendbeauftragter Wolfgang Gerbig und sein Team über Wünsche, über Probleme, über Defizite diskutierte und am Ende eine Auflistung dieser Ergebnisse zusammen mit den Jugendlichen erarbeitete.

In diesem Jahr zeichnet der neue Jugendbeauftragte Raphael Kunz gemeinsam mit seinem scheidenden Vorgänger und Schulsozialarbeiter Wolfgang Gerbig verantwortlich. Gerade bei komplexeren Themen wie der städtischen Planung wird deutlich, wie wertvoll es ist, junge Menschen aktiv einzubeziehen: „Es geht um die Zukunft Neuenburgs. Und ihr seid die Zukunft!“, betonte Raphael Kunz. Das bestätigte auch Bürgermeister Jens Fondy-Langela, der unterstrich, wie wichtig die Stimme der Jugend für die künftige Stadtpolitik sei. Für ihn war die Frage, was den Jugendlichen fehlt, besonders wichtig. Der Bürgermeister erklärte: „Die Verwaltung und der Gemeinderat wollen etwas für die Stadt machen. Deshalb wollen wir wissen, was den Menschen und den Jugendlichen einen Mehrwert für die Lebensqualität in Neuenburg bietet. Wir sind wirklich gespannt auf eure Ideen.“

Vor zwei Jahren beschäftigten sich die damaligen Teilnehmenden mit möglichen Treffpunkten und Plätzen, an denen sich die Jugendlichen sowohl im Außenbereich als auch in Räumen treffen konnten. Oft waren die Antworten auch Ausdruck einer Unzufriedenheit, weil ein Jugendzentrum fehlte. Es ging damals auch um Veranstaltungen für Jugendliche und aktive Freizeitmöglichkeiten außerhalb der in den Vereinen organisierten Jugendarbeit. „Für mich war das schon im Wahlkampf ein wichtiges Thema“, betonte Fondy-Langela sein Interesse an den Jugendthemen. Tatsächlich hat sich seither einiges getan, stellte Wolfgang Gerbig fest: Es gibt heute in allen Ortsteilen Jugendräume und seit kurzem auch ein neues Jugendzentrum im Stadtpark am Wuhrloch, das sich derzeit noch im Aufbau befinde. Allein diese Beispiele verdeutlichten, dass die Jugend gehört und wo möglich auch die Wünsche umgesetzt werden.

Koordiniert und moderiert wurde das erneute Jugendhearing von Thomas Uhlendahl, der bereits bei vielen anderen Projekten als Kommunikationswissenschaftler als Begleiter und Moderator in Neuenburg am Rhein tätig wurde. Er hatte Fragen ausgearbeitet, die nacheinander von den Jugendlichen an den Tischen diskutiert und dann zusammengefasst wurden. Am Ende des Jugendhearing zeigte sich, dass die aktuellen Wünsche und Defizite durchaus mit denen vor zwei Jahren deckungsgleich scheinen. So wurde der Wunsch nach weiteren „Chillplätzen“, ein Fußballkäfig im Stadtpark, Einkaufsmöglichkeiten junger Menschen sowie ein Kiosk in der Nähe des Schulzentrums gewünscht. Darüber hinaus wünschen sich viele Jugendliche mehr Freizeitangebote. In diesem Zusammenhang wurde ein Nachfolgeformat für das Regio Jam-Festival genannt, das früher als eines der größten Jugend- und Musikfestivals in Südbaden galt und zahlreiche durchaus bekannte Bands an die Panzerplatte am Rheinufer holte. Vermutlich erinnerten sich die Jugendlichen an Erzählungen ihrer Eltern, die damals selbst als Jugendliche mit dem städtischen Jugendbüro das Festival über viele Jahre organisierten. „Diese Anregungen nehmen wir uns als wertvolle Inspiration für ein jugendgerechtes Aktivitätsprogramm zu Herzen und werden versuchen, möglichst viel davon umzusetzen“, betont der neue Jugendbeauftragte Raphael Kunz mit wohlwollender Zustimmung des Bürgermeisters. Als Zukunftsvisionen wünschten sich die Jugendlichen eine wachsende Stadt mit mehr Einkaufsmöglichkeiten. Thema war auch das neue Jugendzentrum, zu dem es viele Fragen etwa nach den Öffnungszeiten oder den offerierten Aktivitäten gegeben hat.