Farbenfroh mit Pfiff und Biss: Die Narrensuppe 2020

Ganz neu: Das Neuenburger Fasnachtsmotto auf einem Fasnachts-FanschalEin Glanzpunkt in der an Ereignissen wahrlich nicht armen Neuenburger Fasnacht ist die Narrensuppe, zu der die Stadt traditionsgemäß am Schmutzige Dunschtig einlädt.

Einen Fasnachts-Fanschal überreichte der Burgi dem Zunftmeister Tobias Anlicker

Auch dieses Mal gaben sich wieder närrische, politische und kommunalpolitische Prominenz, Abordnungen der Neuenburger Cliquen und Vereine und anderes lustiges Volk ein buntes Stelldichein, um zuerst das mit Pointen, viel Humor und toller Musik gewürzte Programm und später die legendäre Nudelsuppe von Kronenwirt Stefan Waidele zu genießen.

Der Auftakt, der wirklich jede Privatunterhaltung in den närrischen Reihen verstummen lässt, wird traditionell von der Basler Knaben- und Mädchenmusik übernommen. Diesmal waren es fünf Tambouren, die mit steinerner Miene und einer enormen Schlagkraft die traditionellen Basler Fasnachtsmärsche präzise wie ein Schweizer Uhrwerk in die Trommelfelle hieben. Der Burgi Joachim Schuster hatte sich fasnächtlich in Schale geworfen und arbeitete eine lange Begrüßungsliste ab, um dann stimmgewaltig ein Loblied auf die Stadt anzustimmen, das bei manchem Gesangverein Begehrlichkeiten geweckt hätte. Die Inspiration dazu hatte er von der Kölner Fasnacht mitgenommen, wo er zu Besuch bei den mit Neuenburg befreundeten Blauen Funken war. Und dann das Neuenburger Alleinstellungsmerkmal in puncto Fasnacht: Es freue ihn immer ungemein, dass die drei Länder der Region zur Neuenburger Narrensuppe kommen, das sei wirklich einmalig, freute sich Schuster. Denn nicht nur die Schweiz war im Programm vertreten, mit dem Straßburger Mundart-Duo Christine Wolff und Pierre Zeidler kam auch ein zwerchfellerschütternder Beitrag in wonnigstem Elsässisch.

Hoppla! Zunftmeister Tobias Anlicker erntete anerkennenden Applaus, weil er beim Marsch auf die Bütt dieses Mal von zwei flotten Gardemädels flankiert wurde. Seine in schönste alemannische Reime gefasste Begrüßung war wieder ein Ohrenschmaus. Und schon füllte mit Bernhard Winterhalter ein gestandenes Fasnachts-Urgestein das rhiischnooge-gelbe Fass. Seit 23 Jahren sei er nun schon zur Fasnacht in der einen oder anderen Bütt unterwegs, erinnerte er sich genussvoll. Zur Neuenburger Narrensuppe ist der Auftritt des ehemaligen Kanderner Vogtes ein unbedingtes Muss. Ob er in bauernschlauen Reimen die Vor- und Nachteile von Übergewicht erläutert, denen, die den Rathauschefsessel in Kandern nächstens besteigen wollen ein paar gute Ratschläge mitgibt oder über die Eigenschaften von Schwaben sinniert (aufpassen, der Gastgeber ist auch einer!) - Winterhalter rührt sein Publikum zuverlässig zu Strömen von Lachtränen. Das elsässische Pärchen lieferte sich muntere Wortgefechte bei der Rückschau auf einen gemeinsam verbrachten Urlaub, bei dem sogar das Kotzen all inclusive war. Und dann kamen sie, die noblen Herren von der BNZ-Clownerie, die den Kronensaal mit fasnächtlichem Glanz füllten und eine musikalische Rundfahrt durch die Geschehnisse in Berlin, auf der Welt und beim DFB unternahmen, bekannte Ohrwürmer zum Mitsingen mit neuen pfiffigen Texten. Die Hymne auf die Fasnachtsmetropole Neuenburg am Rhein ließ jedem Narren das Herz aufgehen.

Dass der Nachwuchs nicht nur in den Startlöchern steht, sondern auch schon selbst das närrische Zepter in die Hand genommen hat, zeigten Leo Ruh und Ben Sänger von der Zigeunerclique mit einem frechen Sketch als kleine Rocker, die herrlich ablästern können. Ein Novum in diesem Jahr war ein Fasnachtsfanschal, den der Burgi in einer kleinen Auflage bestellt hatte, weil ihm das Motto in diesem Jahr besonders gut gefällt: „Es isch für uns ä Herzenssach, dass ma zämme Fasnacht macht“. Drei Exemplare mit dieser Aufschrift überreichte er an Persönlichkeiten, die die Narrensuppe wieder zu einem großen Ereignis gemacht hatten: Zunftmeister Anlicker, Kronenwirt Waidele und die Organisatorin aus dem Verwaltungsteam, Anne Eisert. Dann wurde es erst einmal stiller im Saal, denn inzwischen war die Suppe aufgetragen worden, und man hörte nur noch das Klappern der Löffel in den Tellern.